1918–1920
Revolutionäre Arbeitskämpfe mit Fabrik- und Landbesetzungen erschüttern Italien

1919
Gründung der faschistischen Kampfbünde (Fasci di Combattimento) durch Mussolini in Mailand; Gründung der marxistischen Gruppe und gleichnamigen Zeitschrift „Ordine Nuovo“ um Antonio Gramsci in Turin

1920
Terror und Gewalt der faschistischen Kampfbünde und deren „squadri“ unter Führung von Italo Balbo, einem Kampfgefährten Mussolinis, gegen die „roten“ Kommunen und Einrichtungen vor allem in Norditalien

1921
Abspaltung des radikalen Flügels der sozialistischen Partei (PSI) und Gründung der Kommunistischen Partei Italiens (PCI) in Livorno, bedeutende Sprecher: Antonio Gramsci und Palmiro Togliatti; Gründung der faschistischen Partei (PNF)

1922
Marsch der faschistischen Kampfbünde nach Rom, unter deren Druck ernennt der italienische König Mussolini zum Ministerpräsidenten unter Zustimmung von Militär, Wirtschaftsverbänden und Kirche

1924
Änderung des Wahlrechts und Terror auf der Straße führen zur faschistischen Mehrheit im Parlament; Giacomo Matteotti, Vorsitzender der Sozialisten, wird am 10. Juni von faschistischen Schlägern ermordet

1925–1929
Schrittweise Errichtung der Diktatur: Entmachtung des Parlaments, Gleichschaltung der Kommunen, Geheimpolizei (OVRA), Sondergerichte, faschistische Gewerkschaften, faschistische Freizeitorganisationen, Streikverbot, faschistischer Unternehmerverband, Gleichsetzung von Partei und Staat, Opposition im Untergrund und im Exil

1929
Verträge zwischen dem Staat Italien und dem Vatikan: Souveränität des Kirchenstaates, Garantie kirchlicher Rechte (Eheschließung, Schule, Autonomie): gegenseitige Anerkennung von faschistischem Staat und katholischer Kirche

1933
Gründung des „Isituto per la Riconstruzione Industriale“ (IRI), der Dachgesellschaft für staatliche Beteiligungen an Betrieben (vor allem der kriegswichtigen Schwerindustrie), die in der Weltwirtschaftskrise in Gefahr geraten waren

1935/36
Überfall italienischer Truppen auf Äthiopien (Oberbefehl: Marschall Badoglio), völkerrechtswidriger Einsatz von Giftgas; nachfolgend internationale Handelsblockade und Annäherung Italiens an Deutschland; Italien und Deutschland unterstützen mit Waffenlieferungen und Truppen den Kampf Francos gegen das republikanische Spanien; Gründung der „Achse Rom-Berlin“ mit der Vereinbarung gegenseitiger Hilfe bei der Unterdrückung politischer Gegner

1938
Erlass der antijüdischen Rassegesetze: Ausweisung aller ausländischen Juden, betroffen vor allem Flüchtlinge aus Deutschland, Ausschluss der Juden aus dem Bildungswesen und öffentlichen Organisationen, Listenerfassung

1939
Mai: Abschluss des „Stahlpaktes“ mit Deutschland mit der Vereinbarung gegenseitiger Unterstützung bei Angriffen auf ein anderes Land

1940
Juni: Eintritt Italiens an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg
Oktober: Überfall Italiens auf Griechenland, von den griechischen Truppen zurückgeschlagen
September: Angriff Italiens von Libyen aus auf das britisch besetzte Ägypten

1941
Januar: italienische Niederlage in Nordafrika
Februar: Intervention deutscher Truppen an der Seite Italiens in Nordafrika
April: Deutschland eröffnet den Balkan-Feldzug gegen Jugoslawien und Griechenland
Mai: Kapitulation Griechenlands, nachfolgend erhält Italien neben Albanien den Süden Griechenlands mit den adriatischen Inseln als Besatzungsgebiet
Juni: nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion kämpft eine italienische Russland-Armee mit über 220.000 Soldaten an der deutschen Seite

1942
November
: Italien besetzt Südostfrankreich und Korsika
November/Dezember: Vernichtung der italienischen Armee in Südrussland nach Beginn der sowjetischen Winter-Offensive

1943
Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung, alliierte Bombenangriffe und Versorgungsprobleme destabilisieren das Mussolini-Regime; im Exil und im Untergrund bildet sich das antifaschistische Bündnis von Kommunisten, Sozialisten, Radikalliberalen und antifaschistischen Bürgerlichen heraus
März: Kommunisten, Sozialisten und die Gruppe „Giustizia e Liberta“ beschließen im französischen Exil die gemeinsame Vorbereitung des bewaffneten Widerstands; Streiks in Norditalien
Mai: Niederlage und Kapitulation der „Achsen-Mächte“ Deutschland und Italien in Nordafrika
Juli: Landung der Alliierten in Sizilien, Mussolini wird vom faschistischen Großrat abgesetzt, der König ernennt Marschall Badoglio zum Ministerpräsidenten
September: alliierte Truppen gehen in Kalabrien und bei Neapel an Land; nach seiner Verhaftung wird Mussolini von den Deutschen wieder befreit; die Regierung Badoglio erklärt am 8. September den Kriegsaustritt Italiens, König und Regierung Badoglio fliehen aus Rom nach Brindisi; die italienische Besatzung von Teilen Frankreichs endet; 9. September: Konstituierung des Nationalen Befreiungskomitees der Resistenza (CLN), des politischen Leitungsgremiums; die Wehrmacht ist auf den Kriegsaustritt Italiens vorbereitet, besetzt Italien schlagartig und entwaffnet die italienische Armee; in der Folge werden ca. 600.000 italienische Armeeangehörige als „Militärinternierte“, tatsächlich als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert; Massaker der Wehrmacht an italienischen Soldaten auf Kephalonia und Korfu; das faschistische Satellitenregime von Salò unter Mussolini wird installiert; in Boves (Süd-Piemont) erstes Massaker an der Zivilbevölkerung
Beginn des 20 Monate (September 1943 – April 1945) dauernden „dreifachen“ Krieges: Alliierte gegen Wehrmacht/SS; Resistenza gegen Wehrmacht/SS; Resistenza gegen italienische Faschisten
Oktober: mit dem Transport von über 1.000 Juden aus Rom nach Auschwitz setzt die Deportation der italienischen Juden in die Vernichtungslager ein

1944
Januar: Landung der Alliierten bei Nettuno und Anzio
März: Generalstreik in den Industriezentren Norditaliens; Massenmord in den Ardeatinischen Höhlen (Rom)
April: Einbeziehung des antifaschistischen Bündnisses in die Regierung Badoglio (nationale Einheitsregierung)
Mai: Durchbruch der Alliierten in Richtung Rom nach der Schlacht um Monte Cassino
Juni: Bildung der italienischen Einheitsgewerkschaft CGIL; Bildung des Corpo Volontario della Libertà (CVL) als Koordinierungsorgan des militärischen Widerstandes, Befreiung Roms; Vormarsch der Alliierten bis zum Apennin (Gotenlinie); zunehmende Wirkung des organisierten bewaffneten Widerstandskampfes
August: Befreiung von Florenz
Sommer-Herbst: mehrere Partisanenrepubliken entstehen; Massaker und Vergeltungsaktionen von Wehrmacht und SS (Mailand, St. Anna di Stazzema, Marzabotto, Friaul, Monte Grappa)
November: General Alexander fordert die Resistenza zur Kampfpause auf, die jedoch entschieden ablehnt

1945
Die Resistenza übernimmt zunehmend die Kontrolle über Gebiete, Verkehrsverbindungen und Städte in Norditalien
Februar: die CLN für Norditalien plant den koordinierten Aufstand im April
Anfang April: Beginn der alliierten Schlussoffensive
15. bis 30. April: koordinierter Aufstand der Resistenza und Befreiung der großen Städte Norditaliens
28. April: Verhaftung und standrechtliche Erschießung Mussolinis am Comer See
2. Mai: Bekanntmachung der am 29. April unterzeichneten Kapitulation der Wehrmacht
2. - 4. Mai: trotz Kapitulation fallen in Avasinis nahe Udine der SS am 2. Mai über fünfzig Bewohner zum Opfer; im Trentino und in Bozen werden bei Auseinandersetzungen zwischen Partisanen und SS zwischen dem 2. und 4. Mai noch nahezu hundert Zivilisten und Partisanen getötet
Juni: Bildung der ersten Nachkriegsregierung unter Beteiligung der Resistenza-Parteien: Kommunisten, Sozialisten, Liberale, Aktionspartei und Christdemokraten; erster Ministerpräsident wird der ehemalige Partisanenführer Ferruccio Parri
Dezember: der Christdemokrat Alcide De Gasperi wird Ministerpräsident, Justizminister der Kommunist Palmiro Togliatti

1946
Juni: Durch Volksabstimmung Abschaffung der Monarchie und Festlegung der Republik als Staatsform; ein Dekret des Justizministers Togliatti (PCI) erlässt eine weitgehende Amnestie für politische und militärische Straftaten aus der Zeit des Faschismus, dadurch Freisetzung und Amnestie für weit über 10.000 faschistische Täter

1948
Januar: Inkrafttreten der italienischen Verfassung, die – wenn auch mit zahlreichen Kompromissen und daraus folgenden Unklarheiten – von einem Verfassungskonvent auf der Grundlage der antifaschistischen Einheit erarbeitet worden war. Einer ihrer bis heute unveränderten Kernsätze: „Italien ist eine auf der Arbeit begründete Republik.“ Zu diesem Zeitpunkt war die antifaschistische Einheit schon zerbrochen, nachdem bereits im Mai 1947 Kommunisten und Sozialisten aus der christdemokratisch geführten Regierung ausgeschlossen worden waren

(Hinweis auf die Zeittafel bei: Bade Sabine / Wolfram Mikuteit: Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch, Konstanz 2012, S. 12 ff.; www.resistenza.de/content/view/43/34/)