Manolis Glezos 2006Manolis Glezos (andere Schreibweise: Manolis Glesos) wurde am 9. September 1922 in Aperathos auf der Insel Naxos geboren, siedelte 1935 mit seiner Familie nach Athen um und engagierte sich dort schon als Schüler in einer antifaschistischen Jugendgruppe gegen die Metaxas-Diktatur.
Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht schloss sich Glezos auf Seiten der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) dem Widerstand an (nach deren Gründungen im Rahmen der Nationalen Befreiungsfront (EAM), in der Panhellenischen Jugendorganisation (EPON) und in der Griechischen Volksbefreiungsarmee, ELAS).
In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1941 bestieg er zusammen mit Apostolos Santas die Akropolis und holte die dort seit der deutschen Einnahme von Athen am 27. April 1941 gehisste Hakenkreuzfahne vom Fahnenmast neben dem Parthenon. Diese spektakuläre Widerstandshandlung war ein Fanal, das viele Griechen zum Widerstand anregte. Die trotz hinterlassener Fingerabdrücke nicht identifizierten Täter wurden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Am 24. März 1942 wurde Glezos verhaftet, mit dem Fahnenraub jedoch nicht in Verbindung gebracht, und einen Monat später wieder freigelassen. Es folgten weitere Verhaftungen durch italienische Besatzungstruppen und danach durch griechische Kollaborateure. Am 21. September 1944 konnte Manolis Glezos fliehen. Im selben Jahr wurde sein jüngerer Bruder Nikos von den deutschen Besatzern hingerichtet.
Wegen seiner politischen und journalistischen Arbeit unter verschiedenen Regimen (während der deutschen Besatzung, während und nach dem Griechischen Bürgerkrieg und während der griechischen Militärdiktaur) verbrachte Manolis Glezos über elf Jahre in Gefangenschaft und sechs Monate im Exil. Dreimal wurde er zum Tode verurteilt.
Als das griechische Parlament Manolis Glezos und Apostolos Santas im Jahre 2008 auszeichnete, hob der Parlamentspräsident Dimitris Sioufas in seiner Laudatio hervor:
Die Nazi-Fahne zu entfernen ist ein Akt der Anstrengung und ein Beispiel dafür, wie Menschen für Freiheit und Demokratie kämpfen. […] Keine andere Aktion hat es in dem Maße geschafft, während der Besatzungszeit die Moral des griechischen Volkes anzufeuern.

Glezos führte seine politische Arbeit nach Ende der deutschen Besatzung fort, arbeitete als Journalist und Herausgeber für diverse griechische Zeitungen, errang 1951 bei den Wahlen einen Parlamentssitz für die Vereinigung der Demokratischen Linken (EDA), zog 1981 und 1985 für die sozialistische PASOK ins griechische Parlament und 1985 ins europäische Parlament ein. Bei den Parlamentswahlen 2000 führte Glezos die Liste Synaspismos an, die im Jahr 2013 in der SYRIZA aufging. Für SYRIZA errang Manolis Glezos bei der Europawahl 2014 einen Sitz. Am 7. Juli 2015 gab er - wie bereits bei seiner Wahl angekündigt - im Alter von 92 Jahren seinen EU-Parlamentssitz auf und beendete seine Parlamentarierkarriere mit einer Rede zum Kampf der Griechen gegen die „Tyrannen“.

Manolis Glezos setzt sich seit Jahrzehnten stark für Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik Deutschland an Griechenland ein und war viele Jahre Präsident des Griechischen Nationalkomitees für die Entschädigungsforderungen an Deutschland.

Literatur / Medien:
Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-45 (Hg.): Im griechischen Widerstand - Ein Gespräch mit Manolis Glesos, Informationen, Nr. 64, November 2006, S. 4-6; Weber, Johanna: Gesichter aus dem griechischen Widerstand (mit Kurzbiografien von Tassoula Vervenioti), Athen 1996, S. 25; de.wikipedia.org/wiki/Manolis_Glezos