Der Lagereingang 1941-1945 (Museum Stutthof)Das Lager Stutthof wurde am 2. September 1939, kurz nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen, auf dem Gebiet der damals Freien Stadt Danzig errichtet. Es diente zunächst als Zivilgefangenenlager, in dem vor allem polnische Intellektuelle interniert wurden. Im Oktober 1941 wurde es als Sonderlager Stutthof der Danziger Gestapo unterstellt und erhielt am 29. Januar 1942 den Status eines Konzentrationslagers. Im Laufe der Jahre war aus einem kleinen Lager mit einer Fläche von12ha, vorgesehen für 3.500 Häftlinge, ein Lager mit einer Fläche von 120ha geworden. Die Zahl der Häftlinge im Haupt- und den 40 Nebenlagern stieg innerhalb von wenigen Jahren auf 110.000 an, von denen 85.000 die Befreiung des Lagers am 9. Mai 1845 nicht mehr erlebten. Stutthof wurde wegen der unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen faktisch ein Vernichtungslager. Nach der Auflösung der Arbeitslager und Ghettos in den baltischen Ländern 1943/1944 wurden viele jüdische Häftlinge in das Lager Stutthof, von dort auch in Arbeitslager in Deutschland deportiert. Beim Eintreffen der Roten Armee lebten im Lager noch etwa 100 Gefangene, die sich vor Evakuierung, Todesmärschen und Ermordung hatten verstecken können.

Der wirtschaftliche Gewinn, den die SS aus der Ausbeutung bzw. „Vermietung“ von Lagerhäftlingen an private Unternehmen und Landwirtschaftsbetriebe zog, betrug für die Jahre 1942 bis 1944 schätzungsweise 10 Millionen Reichsmark, innerhalb des Lagers siedelten sich Werkstätten der Deutschen Rüstungswerke, der Deutschen Erd- und Steinwerke und eine Montagehalle des Flugzeugkonzerns Focke-Wulf an. Lagerleiter waren vom September 1938 bis August 1942 SS-Sturmbannführer Max Pauly, von August 1942 bis Januar 1945 SS-Sturmbannführer Paul-Werner Hoppe.

Im Verlauf des Herannahens der Roten Armee wurde das Konzentrationslager ab Sommer 1944 erneut Zielort und Umschlagplatz für viele Gefangenen aus den baltischen Lagern – u.a. aus Vilnius, Kaunas, Siauliai sowie den estnischen und lettischen Arbeitslagern Klooga und Riga-Kaiserwald.

Mit dem Näherrücken der Front begann am 25. Januar 1945 die Evakuierung des Lagers. Die Gefangenen wurden auf Todesmärsche geschickt, auf denen Tausende zu Tode kamen. Ca. 5.000 Gefangene der Nebenlager mussten zur Ostseeküste marschieren, wurden dort in das Wasser getrieben und mit Maschinengewehren niedergemäht. Ende April wurden die letzten noch im Lager verbliebenen Gefangenen evakuiert, Hunderte von ihnen wurden ebenfalls an der Küste erschossen, ungefähr 4.000 wurden mit Schiffen abtransportiert, Hunderte ertranken oder ihr Schiff wurde versenkt. Noch Arbeitsfähige wurden in deutsche Konzentrationslager, vor allem in das Lager Neuengamme in der Nähe von Hamburg, deportiert. Schätzungsweise kamen über 50.000 Gefangene im Verlauf der Evakuierung ums Leben.

Ein britisches Militärgericht verurteilte den ehemaligen Lagerleiter Max Pauly zum Tod, er wurde 1946 hingerichtet. Der ehemalige Lagerleiter Hoppe war nach 1945 untergetaucht und wurde 1957 zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt.

Heute ist das ehemalige Konzentrationslager eine Gedenkstätte mit einem Museum.

Adresse:
Muzeum Stutthof
Dział Naukowy w Sopocie
81-703 Sopot ul. Kościuszki 63
Tel: +48585512987
email:[email protected];
http://stutthof.org/deutsch

Literatur / Medien
Benz, Wolfgang / Distel, Barbara (Hg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 8, München 2008; Enzyklopädie des Nationalsozialismus, hrsg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, 5. aktualisierte und erweiterte Aufl., München 2007, S. 821; Enzyklopädie des Holocaust, hrsg. von Jäckel / Longerich / Schoeps, 1995, Bd. 3, Stichwort Stutthof
https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Stutthof
http://www.das-polen-magazin.de/gehalten-bis-zum-letzen-tag-das-kz-stutthof/
https://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/395/Gedenkst%C3%A4tte-und-Museum-Stutthof
Foto: http://stutthof.org/deutsch/node/39