Vovka und Dov Ber GdudAls Vovka Zev Gdud 1924 geboren, erlebte William Good in Nemenčinė, einem kleinen Ort in der Nähe von Vilnius, mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder Motl eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land. Der Vater, Dov Ber Gdud, besaß eine Terpentinfabrik und genoss in Nemenčinė hohes Ansehen. Später zogen die Eltern nach Vilnius, um Vovka eine gute Schulbildung im angesehenen hebräischen Tarbut-Gymnasium zu ermöglichen. Der Vater fuhr täglich von Vilnius nach Nemenčinė in die Fabrik und pflegte dort die Kontakte zu den nichtjüdischen Nachbarn – für ihn und Vovka eine wichtige Voraussetzung für das spätere Überleben.

Beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Juni 1941 floh der 17-jährige Vovka zunächst nach Minsk, wurde auf seiner Flucht von den deutschen Truppen überrollt und kehrte nach Vilnius zurück. Dort wurde er mit weiteren Juden aufgegriffen und auf Lastwagen zur Massenexekution nach Paneriai gebracht. Er stand am Rand der Erschießungsgrube, allerdings verfehlte ihn die Kugel des litauischen Mordgehilfen. Er stürzte und fiel in das Massengrab, auf Berge von Leichen unter sich und unter nachfolgende, auf ihn fallende Leichen. In der Nacht arbeitete er sich blutüberströmt aus der Grube heraus und floh nach Wilna zurück.

Anfang September 1941 entschied die Familie, nicht ins Ghetto zu gehen, sondern nach Nemenčinė zurückzukehren, wo der Vater Arbeit als Angesteller in seiner eigenen Terpentinfabrik fand. Nach der Warnung vor einer bevorstehenden Razzia versteckten sich Vater und Sohn in dem umliegenden Wald, Mutter und Bruder in einer sorgfältig vorbereiteten Maline. Als der Bruder kurz das Versteck verließ, wurde er gefangen genommen. Seine Mutter stellte sich daraufhin freiwillig und folgte ihm in den Tod, als die 400 Nemenčinėr Juden im nahe gelegenen Wald erschossen wurden.

Bill Good und Familie Paskowski (1999)

Vovka und sein Vater verbrachten die Jahre bis zur Befreiung 1944 in den unterschiedlichsten Verstecken, im Wald, in Sümpfen, bei  Bauernfamilien oder bei Familien früherer Arbeiter der Terpentinfabrik. Während einer Sabotageaktion mit geflohenen russischen Kriegsgefangenen im Sommer 1942, an der Vovka teilnahm, wurden sie festgenommen und in das Lukiškės-Gefängnis nach Wilna gebracht. Von dort sollten sie am nächsten Tag zur Exekution nach Paneriai gebracht werden. Auch diesmal entging Vovka der Ermordung, weil er sich als Facharbeiter ausgeben konnte und deshalb ins Ghetto gelangte. Dort konnte er sich verstecken und wieder in die Wälder zu seinem Vater fliehen.

Michael Good mit seinen Eltern Pearl und Bill 2005 (privat)Vater und Sohn Gdud wurden im Juli 1944 von einer Einheit der Roten Armee aus ihrem Bunkerversteck im Wald befreit. Ihr Überleben verdankten sie nicht zuletzt den litauischen Bauernfamilien Gasperowicz und Paszkowski, die sie in den 1990er Jahren wiedertreffen sollten. Vovka studierte nach der Befreiung in Italien Medizin, wo er seine Frau, Perella Esterowicz, eine Überlebende aus Vilnius, heiratete. Beide wanderten in die Vereinigten Staaten aus, wo sich Vovka Gdud, nun Dr. William Good, als praktischer Arzt in Kalifornien niederließ, assistiert von seiner Frau Perella/Pearl. Beide leben heute (2017) in Kalifornien.


Literatur / Medien:
Good, Michael: Die Suche. Karl Plagge, der Wehrmachtsoffizier, der Juden rettete, Weinheim 2006 (Fotos o.S.: Abb. 8, Abb. 14); Viefhaus, Marianne: Zivilcourage in der Zeit des Holocaust. Karl Plagge aus Darmstadt, ein "Gerechter unter den Völkern", hrsg. von der Darmstädter Geschichtswerkstatt e.V. und dem Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt, 2005
http://www.searchformajorplagge.com
http://www.darmstaedter-geschichtswerkstatt.de/plagge-projekt/plagge-ausstellung/biographien-2/