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Signes (Var)

Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, Departement Var

 

Der Ort
Die Gemeinde, 2780 Einwohner/innen (2015), liegt in einer kleinen Ebene mit Heide und Wald am Fuß des Sainte Baume-Massivs. Mit dem Auto von Toulon 33 km (A 50, N 8 und D 402 bis Le Castellet, dort D 402 und D 2 →Signes), von Marseille 48 km (A 50 und D 8n bis Le Castellet, dort D 2 →Signes).

 

Gedenkstein Limatte

Gedenkstein, AusschnittDie Ereignisse
Auf dem ehemaligen Militärgelände Chibron unterhielt das Vichy-Regime von Juni 1940 bis Februar 1941 ein Internierungslager. Gefangen waren insgesamt 720 Menschen, zuerst Kriminelle, die im September 1940 in die Zitadelle von Sisteron (Var) verlegt wurden. Anschließend, nach der verstärkten Verfolgung von Kommunisten wurden KPF-Anhänger interniert; sie wurden 1941 in das Lager Fort-Barraux (Isère) oder das Zuchthaus Saint-Sulpice (Tarn) verlegt.


Maquis
Ende 1943 hatten sich Maquisards des großen FTP-Lagers Faita im Maures-Gebirge – nach ständigen Angriffen durch die italienische Geheimpolizei OVRA, durch Vichy-Polizei und die deutsche Wehrmacht – in Kleingruppen aufgelöst. Zwölf Maquisards waren im Bauernhof Les Limatte nahe Signes untergekommen. Nach Gerüchten hatten frz. Angehörige der im nahen Bandol stationierten Wehrmachts-Division Brandenburg (8. Kompanie) das Lager lokalisiert und in Signes nach der üblichen Methode, sie seien STO-Verweigerer, Informationen eingeholt. Am 2. Januar 1944 griffen 75 Soldaten dieser Division den Hof an. Zwei Maquisards konnten fliehen, wurden aber später gefangen und deportiert, einer starb im KZ Neuengamme. Zwei Maquisards fielen in dem einstündigen Schusswechsel.
Neun Maquisards und der zufällig anwesende Schäfer Ambroise Honnorat wurden gefangen genommen. Sie wurden – aufgrund neuer Wehrmachtsbefehle – nicht den Behörden übergeben, sondern umgehend vor Ort erschossen. Die Köpfe der Maquisards waren von Kugeln durchsiebt (Pierre Vacelli hatte 36 Einschüsse am Kopf). Bei den Trauerfeiern in ihren Heimatdörfern war die Empörung groß, es war die erste sofortige Erschießung von gefangenen Resistants vor Ort im Departement Var.
Auf der Stele am Ort des Geschehens stehen 13 Namen; die Inschrift lautet: „Im Gedenken an die am 2. Januar 1944 erschossenen Märtyrer des Bauernhofs Limatte (es folgen die Namen) und die wegen der Affäre Les Limattes Verhafteten, Deportierten und im KZ Gestorbenen (es folgen die Namen).(Route de Méounes/Ecke Avenue du Cheval Blanc = GPS 43.2904549, 5.8673139).

 

Blick in Gedenkstätte Vallon des FusillésVerhaftung und Massaker an Résistanceführern
Nach der alliierten Landung in der Normandie (6. Juni 1944) glaubten viele Résistants an eine unmittelbar bevorstehende Landung in der Provence, die jedoch ebenso zunächst ausblieb (sie erfolgte am 15. August 1944) wie Waffenlieferungen. Zudem verfolgten die Widerstandsbewegungen unterschiedliche Strategien; führende Résistants der Provence wollten deshalb am 16. Juli 1944 bei einer Zusammenkunft in Oraison (Alpes-de-Hautes-Provence) ihr Vorgehen untereinander abstimmen.ehemaliges Massengrab (mit Platten verdeckt)

Die Deutschen hatten davon über einen Spitzel erfahren. Im Sommer hatte die SiPo-SD Marseille unter Ernst Dunker einen frz. Offizier, der von London geschickt die Résistance unterstützen sollte, als Spitzel gewonnen. Zahlreiche Résistance-Führer der Provence wurden identifiziert und im Juli und August gefangen genommen, allein elf in Oraison; neben Sipo SD waren auch Elemente der Division Brandenburg beteiligt. Nach Verhören und Folterung in der Marseiller Gestapo-Zentrale (Rue du Paradis Nr. 425) wurden sie nach Signes gebracht. Am 18./19. Juli wurden 29 Résistants erschossen und an Ort und Stelle in einem Massengrab, das sie vorher selbst hatten ausheben müssen, begraben. Am 12. August 1944 wurden neun Résistants und ein US-Offizier durch deutsche Soldaten erschossen; ihre Leichen nahmen die Deutschen mit zurück nach Marseille und begruben sie auf dem Friedhof Saint-Pierre.
Das Massengrab (charnier) wurde erst nach der Befreiung entdeckt.

 

Wegweiser, an Abzweig von der D 2 Infotafel am Eingang der Gedenkstätte Blick in die Gedenkstätte

Gedenkstätte ‚Vallon des Fusillés‘/Nécropole nationale de Signes
An der D 2, Route de Marseille, geht bei einer Stele mit der Inschrift „Beinhaus von Signes - Den Helden und Märtyrern der Résistance - In diesem kleinen Tal für die Freiheit gefallen – Im Juli/August 1944“ der etwa 20minütige Weg zur Gedenkstätte ab (GPS 43.267851, 5.778191).
Nach der Exhumierung und Identifizierung der Leichen wurde das Massengrab zugeschüttet und mit einem festen Deckel verschlossen. Die Gedenkstätte im Vallon des Fusillés, manchmal auch: 'Vallon des Martyrs' oder 'Charnier des Martyrs' genannt, erhielt 1996 den Status 'Nécropole nationale'/ Nationalfriedhof'. 
Das Gelände, ein lichtes Waldstück, wurde vorsichtig renaturiert. Am Eingang beschreibt eine Infotafel die Hintergründe und Vorgänge. Sie nennt die Namen der Erschossenen und zeigt Fotos von ihnen. Auf den Bodenplatten sind die Namen der Erschossenen eingraviert. Im hinteren Teil, dort wo das Lothringerkreuz und der Altar stehen, finden am 12. Juni jeden Jahres Gedenkfeierlichkeiten statt.

 

Literatur/Medien
Jean-Marie Guillon, Jean-Marie: La Résistance dans le Var, Université de Provence, 1989
Vieira, Guillaume: La répression allemande de la Résistance dans la région de Marseille, Université d’Aix-Marseille, 2013.
http://www.var39-45.fr/lieux/ouest/signes.php 
http://www.ajpn.org/internement-Camp-de-Chibron-193.html 
http://maitron-fusilles-40-44.univ-paris1.fr/spip.php?article177332 (Signes)
http://maitron-fusilles-40-44.univ-paris1.fr/spip.php?article177730 (Limatte)
http://museedelaresistanceenligne.org/media7927-PrA
http://fresques.ina.fr/reperes-mediterraneens/fiche-media/Repmed01027/le-vallon-des-fusilles-signes-var-necropole-nationale.html
http://www.petit-patrimoine.com/fiche-petit-patrimoine.php?id_pp=83127_3 
https://fr.wikipedia.org/wiki/Massacres_de_Signes
https://fr.wikipedia.org/wiki/Signes_(Var)