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Oignies

Region Hauts-de-France/Nord – Pas-de-Calais, Departement Pas-de-Calais

Der Ortmodernisierte Bergarbeitersiedlung
Stadt mit ca. 9670 Einwohner/innen (2014) im ehemaligen nordfranzösischen Kohlerevier südlich von Lille. Mit dem Auto von Arras 35 km (D 917/A 1 →Lille bis Ausfahrt 18 – Carvin/Oignies); von Lille 25 km (A 1 →Arras sortie/Ausfahrt 18 – Carvin/Oignies, dann D 317). Das Mausoleum 39-45 befindet sich auf dem Friedhof (cimetière), Rue des 80 fusillés, ca. 200 m von der Ortsmitte.
 
Die Ereignisse
Massaker Mai 1940
Bei der deutschen Invasion Frankreichs wurde die deutsche Infanteriedivision 267 drei Tage bei Courrières und Oignies von britischen und französischen Truppen aufgehalten. Die beiden Orte wurden der Schauplatz der ersten Massaker der Wehrmacht an Zivilisten im Krieg gegen Frankreich. Am frühen Morgen des 28. Mai rückten Soldaten von Courrières aus in Oignies ein. Sie nahmen Geiseln und trieben sie als „menschlichen Schutzschild“ vor sich her; sie „durchkämmten“ den Ort Straße für Straße und befahlen den Einwohner/innen, aus ihren Kellern zu kommen - manchmal warfen sie Granaten in die Keller – sie erschossen willkürlich Männer, meistens vor den Augen ihrer Frauen und Kinder, und schickten einen Teil der Frauen in den Nachbarort Courrières.
Mittags setzten die Soldaten die Häuser mit Flammenwerfern in Brand. Vor der zerstörten Brücke nach Courrières wurden 17 junge Männern aussortiert; sie mussten in einem Hausgarten Gruben ausheben, wurden geschlagen und dann erschossen. Die deutschen Soldaten nahmen einige Frauen auf dem Marschweg nach Lille als Geiseln mit; die meisten konnten Tage später unverletzt nach Oignies zurückkehren (nach: Oignies – erste Märtyrergemeinde, 1947; nachgedruckt in:
http://www.wikipasdecalais.fr/index.php?title=Oignies_premi%C3%A8re_cit%C3%A9_martyre_de_la_campagne_de_France; dort auch nähere Einzelheiten der grausamen und verstörenden Taten).
Mausoleum Namen der 80 Erschossenen Gräber erschossener Einwohner/innen
Die Bilanz: 80 Einwohner/innen zwischen 17 und 70 Jahren wurden von Wehrmachtssoldaten erschossen, sehr viele mehr brutal behandelt, 380 Häuser zerstört. Wenige Tage später kehrte die Wehrmacht zurück, besetzte Oignies und blieb bis zur Befreiung im September 1944.
Der Verantwortliche, Hauptmann Horst Kolrep, wurde 1950 vom Militärgericht in Metz zum Tode verurteilt und 1951 in Lille hingerichtet.
 
Gedenken
Am 13. Juli 1947 weihte Staatspräsident Vincent Auriol das Mausoleum ein – zu Ehren der Kriegsopfer und der Märtyrer des Massakers vom 28. Mai 1940: 'La ville d'Oignies à ses Martyrs'. Es liegt im hinteren linken Teil des Friedhofs (Eingang ca. 80 Rue des 80 Fusillés). Im Mausoleum selbst befinden sich das Grab eines unbekannten Erschossenen vom 28. Mai 1940 sowie vier Tafeln mit den Namen der 80 Erschossenen. In zwei Halbkreisen um das Mausoleum herum sind Gräber angeordnet: der getöteten Zivilisten, von (5) Widerstandskämpfern und (10) Deportierten sowie von bei der Verteidigung von Oignies Ende Mai 1940 getöteten französischen und britischen Soldaten (Namen vgl. http://memoiresdepierre.pagesperso-orange.fr/alphabetnew/o/oigniesmausolee.html) Viele Gedenktafeln von Résistanceorganisation etc. wurden aufgestellt, u.a der Polnischen Komitées der nationalen Befreiung P.K.W.N. von Oignies und umliegenden Orten. Die Namen der 80 Erschossenen stehen auch auf Tafeln am Totendenkmal (Place de la République).
Gräber getöteter Résistants Grab Léon Szklarek Stele André Pantigny
Einwohner von Oignies waren später aktiv in der Résistance, z.B. bei Verteilung von Zeitungen, Empfang von per Fallschirm abgeworfenen Waffen oder Sabotagen. Auf dem Friedhof werden fünf getötete Résistants und zehn im KZ ums Leben gebrachte Einwohner geehrt. Der Bergmann Léon Szklarek wurde wegen seiner Beteiligung am Bergarbeiterstreik gesucht, verhaftet und im Alter von 22 Jahren 1942 in der Zitadelle von Arras erschossen.
Auf der anderen Seite des Mausoleums steht die Gedenkstele von André Pantigny. Der sozialistische Volksschullehrer war Leiter des Widerstandsnetzes Libération Nord. Er wurde 1943 in Tourcoing verhaftet, im Gestapo-Gefängnis La Madeleine in Lille und in Loos gefoltert und als NN-Gefangener in das KZ Groß-Rosen deportiert, wo er 4. November 1944 ums Leben kam.
 
Literatur/Medien
Dejonghe, Étienne/Le Maner, Yves: Le Nord – Pas-de-Calais dans la main allemande 1940-1944, Lille 1999, S. 51f.
Duhem, Jacqueline: Crimes et criminels de guerre allemands, de 1940 à nos jours, dans le Nord -  Pas-de-Calais, Lille 2016
Fossier, Jean-Marie: Zone interdite. Nord Pas-de-Calais, Paris 1977, S. 327
Lieb, Peter: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München 2007, S. 15-17, 518
http://www.wikipasdecalais.fr/index.php?title=Oignies_premi%C3%A8re_cit%C3%A9_martyre_de_la_campagne_de_France 
http://www.archivespasdecalais.fr/Anniversaires/13-juillet-1947-inauguration-du-poteau-des-fusilles-de-la-citadelle-d-Arras-et-du-mausolee-des-martyrs-d-Oignies 
http://www.wikipasdecalais.fr/index.php?title=Mausol%C3%A9e_aux_martyrs_d%27Oignies 
http://memoiresdepierre.pagesperso-orange.fr/alphabetnew/o/oigniesmausolee.html 
http://fr.wikipedia.org/wiki/Oignies_(Pas-de-Calais)