Region Piemont / Provinz Verbano-Cusio-Ossola

Bahnhof von Varzo an der SimplonstreckeDer Ort
Varzo ist eine Gemeinde mit ca. 2.000 Einwohner/innen im Val Dividro, einem Seitental des nordpiemontesischen Ossolatals. Der Ort liegt an der Simplon-Passstraße (SS 33) 18 km nördlich von Domodossola.

Das Ereignis
Kurz vor Ende des Krieges, in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945, vereitelten Partisanen der „2. Garibaldi-Division“ bei Varzo die von den Deutschen nach dem „Prinzip der verbrannten Erde“ geplante Sprengung des Simplontunnels. Zum letztmöglichen Termin, da die Alliierten mit der Bombardierung von Varzo drohten, falls die Partisanen den Sprengstoff nicht unschädlich machten.

Gedenktafel zur Rettung des Simplontunnels am Bahnhof von Varzo„Bereits im November 44 traf in Varzo, dem letzten Dorf vor der italienischen Seite des Simplontunnels, eine Spezialeinheit von deutschen Mineuren ein. Sie begannen, die bereits vorhandenen Sprengkammern im Simplontunnel auszubauen und für die Sprengung vorzubereiten. Auch grosse Elektrizitätswerke und Staumauern wurden miniert. Da die Simplonstrecke bis nach Domodossola unter der Aufsicht der schweizerischen Bundesbahn stand, entdeckten Eisenbahnarbeiter diese Vorbereitungen und meldeten sie dem Zollchef von Domodossola, dem Schweizer Peter Bammatter. Dieser war vom Schweizer Geheimdienst für Beobachtungsaufgaben in Norditalien eingesetzt worden. Ein erster Versuch, den Sprengstoffkonvoi durch eine Partisanenaktion bereits am Lago di Mergozzo zu zerstören, misslang.
So blieb es die Aufgabe der „2. Garibaldi-Division“, den Sprengstoff, der inzwischen bis nach Varzo gebracht worden war, unschädlich zu machen. Mit den Brigaden „Camasco“, „Fabbri“ und „Volante Alpina“, insgesamt 120 Mann, riegelte „Mirco“ [Ugo Scrittori, die Red.] das Tal vollständig ab, hielt die SS- sowie die österreichischen Wachtruppen in ihren Kasernen fest und liess die 64 Tonnen Trotyl abbrennen. Eine riesige Feuersäule, über 300 Meter hoch, leuchtete bis nach Domodossola, wo der Schweizer Nachrichtenchef Peter Bammatter, in den hell erleuchteten Himmel blickend, von der erfolgreichen Durchführung „seiner“ Aktion Kenntnis nahm.“
(Werner „Swiss“ Schweizer, In: Vermicelli, S. 328/329)

Gedenken
Am Bahnhof von Varzo erinnert eine Gedenktafel an dieses Ereignis.
Die Geschichte der Rettung des Simplontunnels wurde von Werner „Swiss“ Schweizer mit dem Film „Dynamit am Simplon“ (1989) dokumentiert.

Literatur / Medien
Vermicelli, Gino: Die unsichtbaren Dörfer. Partisanen im Ossola-Tal. Roman. Vorwort Rossana Rossanda. Nachwort „Swiss“ Schweizer. Zürich 1990; Bergwitz, Hubertus: Die Partisanenrepublik Ossola. Vom 10. September bis zum 23. Oktober 1944, Hannover 1972; Bammater, Peter: Die Kriegsjahre 1941 bis 1945 im Ossolagebiet, Naters 1991; www.isrn.it/dvd/dvd_chiovini/repubblica_partigiana/1_5.htm; Werner Schweizer: Dynamit am Simplon, 104 Min., Dschoint Ventschr Filmproduktion AG, Zürich 1989; www.youtube.com/watch?v=kAJa7CiKvCc (Interview mit W. Schweizer);