Gedenkstätte für Opfer von Massenerschießungen in Athen KesarianiWer bei Reisen in Griechenland - etwa in Athen auf der Akropolis oder vor der Mitropolis, in malerischen Berg- oder idyllischen Fischerdörfern, vor Klöstern oder an berühmten Ausgrabungsstätten - auf schlichte Gedenktafeln oder eindrucksvolle Mahnmale stößt, die an von deutschen Soldaten, SS-Leuten und Schreibtischtätern im Zweiten Weltkrieg begangene Verbrechen oder den Widerstand der griechischen Bevölkerung gegen die Besatzer erinnern, bleibt meist ratlos zurück. Denn unsere mitgeführte Reiseliteratur erläutert zwar ausführlich die Blütezeiten aller bekannten Hochkulturen, läßt die drei, mancherorts auch vier Jahre, die auf den völkerrechtswidrigen Überfall der deutschen Truppen auf Griechenland vor 75 Jahren folgten, aber meist außen vor. Gleiches gilt für unsere Schulbücher. Denn viel haben bundesdeutsche Nachkriegspolitiker unternommen, um dieses Kapitel der Geschichte, das von einer kaum vorstellbar langen Reihe barbarischer Kriegsverbrechen, erbarmungsloser Ausbeutung und bereits circa 100.000 Hungertoten allein im ersten Besatzungswinter 1941/1942 gekennzeichnet war, möglichst schnell zu den Akten zu legen - was bis heute nachwirkt und anhält, wie die Verweigerung von zu leistenden Reparationen, der Rückzahlung des Zwangskredits und das Beharren auf dem Prinzip der Staatenimmunität zur Verhinderung von Entschädigungsleistungen für die Opfer nur zu deutlich zeigt.

Die Legende vom „Sauberen Krieg“
Noch heute ist die Legende weitverbreitet, dass die deutsche Wehrmacht in Griechenland einen „sauberen“ Krieg geführt habe. Kriegsverherrlichende Memoiren und nostalgisch-prahlerische Divisionsgeschichten à la Hurra, die Gams trugen (und tragen nachwievor) dazu bei. Aber auch das Bundesministerium der Verteidigung entschied sich erst mit teilweise über 50-jähriger Verspätung dazu, die „Traditionswürdigkeit“ von Offizieren, die bedenkenlos Geiselerschießungen und Massaker an völlig unschuldigen Männern, Frauen und kleinen Kindern anordneten, wohl nicht mehr länger aufrecht erhalten zu können.

Willkürlich ermordete ZivilistInnen, hier in Kondomari auf KretaDabei war die Schreckensbilanz der deutschen (in ihrem Gefolge auch italienischen und bulgarischen) Okkupation Griechenlands härter und blutiger als in allen anderen nicht-slawischen Ländern. Das Prinzip der kollektiven Verantwortung der Zivilbevölkerung kam dabei mit verbrecherischen Befehlen erstmals in Griechenland, auf Kreta, zur Anwendung. Noch bevor mit der Weitergabe des Keitel-Befehls im September 1941 die Grundlage für exzessive „Sühnemaßnahmen“ mit Tötungsquoten von bis zu 1:100 Geiseln gelegt wurde.
Bei ihrem Abzug hinterließ die Deutsche Wehrmacht ein nach dem militärisch sinnlosen, allein der Vernichtungsabsicht geschuldeten und völkerrechtswidrigen „Prinzip der verbrannten Erde“ völlig zerstörtes Land. Weit über 1.000 griechische Dörfer wurden zerstört, Hunderttausende griechische Frauen, Männer und Kinder verhungerten, wurden durch Geiselerschießungen, Massaker an der Zivilbevölkerung oder Teilnahme an Widerstandsaktionen getötet. Und ca. 60.000 griechische Jüdinnen und Juden wurden Opfer des deutschen Rassenwahns.

1000 unbekannte Lidices
In Griechenland gibt es tausend Lidices - ihre Namen sind unbekannt und ihre Bewohner vergessen", stellte 1947 der US-Ankläger im Nürnberger Prozess gegen Generäle in Südosteuropa zur Schreckensbilanz der deutschen Okkupation Griechenlands mit einem Hinweis auf das zum Symbol gewordene, von der SS am 10. Juni 1942 vernichtete tschechische Dorf fest.
Gedenkstätte für die Opfer des Massakers in Viannos auf KretaAnders aber als die Massaker im tschechischen Lidice und im französischen Oradour-sur-Glane, das seit dem 10. Juni 1944 zum Inbegriff deutscher Kriegsverbrechen auf französischem Boden geworden ist, wussten in Deutschland lange nur die Wenigsten von der am selben Tag im griechischen Distomo verübten Ermordung von 218 Männern, Frauen und Kindern. Obwohl wegen der Massenmorde von Distomo und Kalavryta hochrangige deutsche Offiziere als Kriegsverbrecher verurteilt worden waren.
Dass die Balkanstaaten und vor allem Griechenland über viele Jahrzehnte nur weiße oder bestenfalls hellgraue Flecken auf der Landkarte des Okkupationsterrors, mit dem Nazideutschland Europa überzogen hatte, darstellten, machten auch deutsche Gerichte möglich: Sie verurteilten nicht einen einzigen Soldaten oder Mitarbeiter der Zivilverwaltung wegen der in Griechenland verübten Verbrechen. Nur in einem Fall wurde überhaupt jemals eine Hauptverhandlung eröffnet: Sie endete 1951 mit einem Freispruch. Alle anderen in den folgenden Jahrzehnten ungern und nur unter Druck aufgenommenen Ermittlungsverfahren wurden eingestellt. Wobei sich die ermittelnden Staatsanwälte nicht selten eines Vokabulars bedienten, das dem der verbrecherischen Befehle stark ähnelt, über die sie zu befinden hatten.

Die Befreiungsfront, die größte Organisation in der Geschichte Griechenlands
Meist noch weniger wissen wir über den verzweifelten Kampf, mit dem sich Griechinnen und Griechen gegen die Besatzungsherrschaft wehrten. Nur wenige Woche nach deren Beginn stahlen Manolis Glezos und Apostolos Santas in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1941 die Hakenkreuzfahne vom Fahnenmast der Akropolis und setzten damit ein Fanal zum Widerstand gegen die Fremdherrschaft. In den verschiedensten klandestinen Gruppierungen arbeiteten danach Frauen (siehe: Frauen im griechischen Widerstand) und Männer aus allen sozialen Schichten des Landes, aus der ländlichen wie auch der städtischen Bevölkerung. Die bedeutendste Bewegung war die am 27. September 1941 gegründete Nationale Befreiungsfront (EAM), der am Ende der deutschen Okkupation im November 1944 (bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 7 Millionen) schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen angehörten.

Dieser Wegweiser will helfen, Gedenkorte an (Un-)Taten der deutschen (italienischen und bulgarischen) Besatzungsorgane und Kollaborateure der von der Wehrmacht aufgestellten sogenannten „Sicherheitsbataillone“ aufzuspüren, an Aktionen des Widerstands zu erinnern und die historisch-politischen Geschehnisse und Hintergründe zu klären.

Im ersten Schritt wurden zu Beginn des Jahres 2016 auf der Homepage „Gedenkorte Europa“ für Griechenland folgende Orte dargestellt: Athen, Distomo, Giannitsa, Kalavryta, Nikea, Thessaloniki und 30 Orte der Region Kreta.
Die orts- und themenbezogenen Beiträge werden sukzessive erweitert: Über neu aufgenomme Gedenkorte informieren wir stets unter der Rubrik „News zur Seite“.

Handhabung der Homepage, Einladung zu Anregungen und Kritik
Die Homepage www.gedenkorte-europa.eu soll einen Überblick über exemplarisch ausgewählte Gedenkorte in Griechenland anbieten. Mit Hilfe der Kurzbiographien und Sachstichworte sind weitere Erläuterungen zu finden. Die integrierten google maps erleichtern das Auffinden der Orte, die GPS-Koordinaten der einzelnen Gedenkorte werden durch Betätigung der rechten Maustaste vorgeblendet, die Fotos lassen sich durch Anklicken vergrößern, die Verweise auf Medien, Links und auf die Literatur- und Medienliste ermöglichen eigene und vertiefte Recherchen.

Die Redaktion lädt dazu ein, über die Rubrik „Kontakt“ Anregungen und Kritik mitzuteilen, auch auf Fehler oder Unstimmigkeiten aufmerksam zu machen.

Dank
Die Redaktion ist allen Autorinnen und Autoren der einschlägigen Literatur und der elektronischen Medien, die in der Literatur- und Medienliste, ebenso bei Ortsbeschreibungen und Sachstichworten aufgeführt sind, zu Dank verpflichtet.
Dank für Unterstützung gebührt darüber hinaus dem Nationalrat für die Entschädigungsforderungen Griechenlands an Deutschland und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von öffentlich und privat getragenen Museen und Einrichtungen, deren Arbeit der Geschichte des Widerstands, der Okkupation, Verfolgung und Befreiung in den Jahren 1941–1944 gewidmet ist.
Die Redaktion bedankt sich außerdem für die großzügige Erlaubnis, über die redaktionseigenen Fotorechte hinaus auch persönliche Fotodateien nutzen zu dürfen. Soweit Fotos verwandt wurden, deren Bildrechte nicht bei der Redaktion liegen, sind die Urheber genannt.

Literatur / Medien
Die Literaturliste weist die verwendeten und weiterführenden Informationsquellen aus. Am Ende der Texte zu Regionen, Orten, Kurzbiographien und Sachstichworte wird auf spezifische Belege verwiesen.