Autonome Region Aostatal

Das Tal
Das Valsavarenche ist ein Seitental des Aostatals, dessen überwiegender Teil zum 1922 gegründeten „Parco Nazionale del Gran Paradiso“ gehört. Das südwestlich von Aosta liegende Tal ist über die Strada Statale (SS) 26 in Richtung Courmayeur erreichbar, von der nahe Introd in Richtung Valsavarenche abgebogen wird. Die das gesamte Tal durchziehende Straße endet in Pont, direkt unterhalb des Gran Paradiso (ca. 37 km ab Aosta).

Fluchtweg Nivolet-Hochebene

Das Geschehen
Wie das Val di Cogne war das Valsavarenche im Sommer 1944 (ab 2. Juli 1944) befreites Gebiet. Durch die direkt an das bereits von den deutschen Besatzern befreite französische Hochsavoyen angrenzenden Hochlagen kam dem Tal besondere strategische Bedeutung zu. Über die Pässe des Valsavarenche verlief auch ein Großteil der Versorgung der Widerstandsbewegung mit Waffen und Nahrungsmitteln durch die Alliierten. Einen ersten Versuch, das Valsavarenche zurückzuerobern, unternahmen faschistische Milizen und deutsche Truppen am 3. Oktober 1944: Als Zivilisten getarnt näherten sie sich dem Posten der Partisanen bei Molère. Ein weiteres Vorrücken wurde zunächst gestoppt, indem die Partisanen einen Bergrutsch verursachten. Das obere Valsavarenche diente zwischen dem 2. und dem 6. November 1944 als Fluchtweg, als deutsche und italienische Truppen einen Großangriff unternahmen, um die Täler wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Eine Gruppe von annähernd 350 Personen – Partisanen und Zivilisten – floh aus dem Val di Cogne und dem Valsavarenche über Pont, die Nivolet-Hochebene und den Colle Galisia (2.998 m) nach Val d’Isère. Andere setzten sich, vor allem durch das Valpelline, in die Schweiz ab.

Gedenken
Molère
Oberhalb von Molère sind an einem neben der Straße liegenden Felsbrocken Gedenktafeln für die Opfer des Angriffs – darunter auch ein 80-jähriger unbeteiligter Zivilist – vom 3. Oktober 1944 angebracht.

Pont
Ehemalige Partisanen, denen von hier aus Anfang November 1944 die Flucht nach Frankreich gelang, lösten Anfang der 1970er-Jahre ein Gelübde ein und veranlassten den Bau der kleinen Kapelle in Pont, die 1977 der Madonna delle Cime gewidmet wurde.

Erinnerungsprojekt „Les sources de l’Autonomie“

Informationstafel zur AutonomiebewegungFederico ChabodIm April 2013 wurden im Valsavarenche – mit Unterstützung des Istituto Storico della Resistenza e della Società Contemporanea in Aosta – entlang der Talstraße in vier Orten Informationstafeln aufgestellt. Sie erläutern Etappen des Weges zur Befreiung des Tales und zur anschließenden Erlangung der Autonomie

In Molère steht die erste Informationstafel, in Rovenaud, dem Geburtsort von Émile Chanoux, einem Vorkämpfer der valdostanischen Autonomie und führendem Mitglied der Resistenza, der am 19. Mai 1944 ermordet wurde, folgen zwei weitere. Im weiteren Verlauf wird in Dégioz über Federico Chabod, die valdostanischen Autonomiebestrebungen und die Ende 1943 verabschiedete Carta di Chivasso informiert und am Ende der Straße in Pont über die Flucht über die Nivolet-Hochebene nach Frankreich.

Literatur / Quellen:
Presa, Sivana: Le fasi della resistenza in Valle d’Aosta 1943–1945, Aosta 2009; I Sentieri della Libertà. Piemonte e Alpi occidentali 1938–1945. La guerra, la Resistenza, la persecuzione razziale. Touring Club Italiano. Milano 2005, S. 171–173; www.memoriadellealpi.net/download/GRUPPO01~PDF_PUBBLICAZIONI/Opuscolo-Aosta.pdf ; www.comune.valsavarenche.ao.it/it/les-sources-de-l-autonomie-ita-interno