Region Friaul-Venetien / Provinz Triest

Eingang Risiera San SabbaDer Ort
Die ehemalige Reismühle im Triestiner Stadtteil San Sabba liegt in der Nähe des Sportstadions Palasport. Die Gedenkstätte wurde 1965 zum nationalen Monument erklärt. (Adresse: Via Giovanni Palatucci 5, 34148 Triest, Tel. 0039 040 826202; risierasansabba@comune.trieste.it)

Die Ereignisse
Der Gebäudekomplex der ehemaligen Reismühle diente nach dem Kriegsaustritt Italiens am 8. September 1943 und dem Einmarsch von Wehrmacht und SS als Gefangenenlager für entwaffnete italienische Soldaten. Von Oktober 1943 an bekam die Risiera unter SS-Kommando eine mehrfache Funktion: sie war Haftstätte für politische Gefangene – für Zivilisten aus Triest und Umgebung, für Partisanen und für Juden; für Angehörige dieser Personengruppen diente sie gleichzeitig als Durchgangslager in deutsche Lager und Vernichtungsstätten und außerdem als Exekutionsstätte. Zwischen Oktober 1943 und Mai 1945 gingen ungefähr 20.000 Inhaftierte durch das Lager, von ihnen wurden an Ort und Stelle zwischen 3.000 und 5.000 ermordet, deren Leichen im Krematorium, dem Gedenktafel für die jüdischen  Opferumgebauten Ofen der früheren Reismühle, Gedenktafel für die slowenischen Opferverbrannt wurden. Von den in der Risiera inhaftierten Juden wurden 650 nach Auschwitz deportiert. Andere Transporte mit jüdischen und politischen Gefangenen gingen in die Konzentrationslager Mauthausen und Dachau.


Gedenken
Der gesamte Gebäudekomplex, der von der deutschen Besatzungsmannschaft bei deren Flucht 1945 weitgehend zerstört worden war, wurde nach 1965, dem Jahr, in dem die Risiera zur nationalen Gedenkstätte erklärt wurde, umgebaut und 1975 neu eröffnet. Einige Teile – u.a. die Todeszelle und die Gefangenenzellen – blieben in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten. Im Innenhof erinnert eine große Metallplatte an das ehemalige Krematorium. Vom Hof aus ist das Museo della Resistenza erreichbar, das die historischen politischen Ereignisse der Besatzungs- und Widerstandszeit und deren Vorgeschichte dokumentiert und außerdem Gegenstände der Erinnerung beherbergt. (Hilberg, S. 722)

ehemalige Zellen in der RisieraAusstellungsraum Risiera

Tafel für den Frauenwiderstand

 

 





ehemaliges KrematoriumDas Lagerpersonal – erfahrene Mordspezialisten  
Zwei berüchtigte SS-Ofiziere, Odilo Globocnik (der in Triest geboren war) und Franz Stangl, waren zu verschiedenen Zeiten in dem Gebiet (der Operationszone Adriatisches Küstenland, Red.) tätig. Kurz nachdem die Deutschen die Operationszone übernommen hatten, beschlagnahmten sie das Gebäude und machten daraus ein Durchgangslager. Slowenische Partisanen wurden hier verhört, gefoltert und hingerichtet. Auch politische Gefangene und Juden kamen nach La Risiera, zum Verhör oder bis zu ihrem Transport nach Norden. Kommandanten des Lagers waren SS-Obersturmbannführer Christian Wirth (Herbst 19843 bis Mai 1944) und SS-Obersturmbannführer Dietrich Allers, der zuvor das deutsche Euthanasie-Programm organisiert hatte (Juni 1944 bis April 1945). Die Lagerbesatzung bestand aus Deutschen…“ (Enzyklopädie des Holocaust, Stichwort Italien).

Globocnik, der 1939 bis 1943 von Lublin aus für die „Aktion Reinhardt, dem Vernichtungsprogramm in den Todeslagern um Lublin mit den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka verantwortlich war, hatte erfahrene Spezialisten des Massenmordes im Rahmen der „Aktion Reinhard“ mit nach Triest gebracht. Globocnik beging nach seiner Entdeckung in Österreich Ende Mai 1945 Selbstmord. Stangl, ebenfalls Verantwortlicher in der „Aktion Reinhard“, konnte nach 1945 aus der Haft fliehen, gelangte mit vatikanischer Hilfe nach Südamerika, wurde 1967 ausgeliefert und 1970 vom Landgericht Düsseldorf wegen Mordes an mindestens 400.000 Juden in den Vernichtungslagern bei Lublin zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Lagerleiter Wirth, ebenfalls mit Erfahrung aus der „Aktion Reinhard“, wurde 1944 von slowenischen Partisanen getötet. Der ihm nachfolgende Lagerleiter Oberhauser war Spezialist zur Vergasung Geisteskranker (T-4-Aktion) und anschließend am Vernichtungsprogramm der „Aktion Reinhard“ beteiligt. 1975 fand in Triest ein Strafverfahren gegen Allers und Oberhauser in deren Abwesenheit statt. Beide lebten in Deutschland (deutsche Staatsangehörige sind nach dem Grundgesetz vor Auslieferung geschützt). Der ehemalige SS-Obersturmbannführer Allers hatte sich  nach 1945 als Rechtsanwalt in Hamburg niedergelassen; er starb noch vor Urteilsverkündung. Oberhauser wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, ohne die Strafe antreten zu müssen.


Bestimmungsort Auschwitz
Das Todeslager Auschwitz war auch der Bestimmungsort der Juden von Triest und Umgebung, wo der höhere SS- und Polizeiführer Globocnik das Sagen hatte. In diesem Gebiet wurden Juden und Nichtjuden in ein Durchgangslager in San Sabba gepfercht und schubweise zusammen weiterverschickt. Die Zahl der jüdischen Opfer Globocniks ging in die Hunderte – nicht die Hunderttausende, an die er sich in Polen gewöhnt hatte, für Triest nichtsdestoweniger eine bedeutende Zahl.“ (Hilberg, S. 722)

Literatur/Medien:
Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden, 4 Bände, Frankfurt am Main 1990, S. 702 ff; Enzyklopädie des Holocaust. Deutsche Ausgabe. Hg. Eberhard Jäckel u.a., München und Zürich 1995, Stichwort „Italien“; Informationsheft „Risiera di San Sabba. Monumento Nazionale. Hg, Comune die Trieste o.J. (mit deutschsprachigen Teil); Apih, Elio: Risiera di San Sabba. Begleitband zur historischen Ausstellung (mit deutscher Übersetzung). Triest 2000; de.wikipedia.org/wiki/Risiera_di_San_Sabbawww.deathcamps.org/sabba/index_d.htmlwww.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/117/Gedenkstätte-Risiera-di-San-Sabba