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Falzano di Cortona

Region Toskana / Provinz Arezzo

Der Ort
Obwohl noch Ortschilder an sie erinnern, besteht die Ortschaft heute faktisch nicht mehr. Sie liegt ca. 50 km entfernt von Cortona in den Waldbergen des umbrischen Apennin. Von Cortona aus fährt man in Richtung Perugia auf der Provinzstraße nach Torreone, dann über Portole zum Passo Cerventosa in das Valle Dame; nach dem Pass führt nach einigen Kilometern ein Wegweiser eine steile kleine Straße, die an der Stelle des ehemaligen Dorfes Falzano in die Straße Teverina–Perugia einmündet, hinab.

Die Ereignisse
Am 27. Juni 1944 ließ der Kompaniechef eines dort operierenden Gebirgspionierbataillons, der damalige Wehrmachtsleutnant Josef Scheungraber, als Vergeltung für einen Partisanenangriff, bei dem am Vortag zwei Soldaten getötet worden waren, willkürlich elf Zivilisten – Bauern im Alter zwischen 15 und 67 Jahren – in die Casa Cannicci in Falzano sperren und danach das Haus in die Luft sprengen. Das jüngste der Opfer überlebte und konnte bei dem Strafprozess gegen Scheungraber, der 2009 wegen 10-fachen Mordes verurteilt wurde, als Zeuge aussagen.

Gedenken
An der Kreuzung der kleinen Nebenstraßen zwischen Cortona und Citta di Castello befinden sich zwei Denkmäler: eines erinnert an die Casa Cannicci, die 1944 zusammen mit elf willkürlich aufgegriffenen zivilen Opfern gesprengt wurde, von denen ein 15-Jähriger überlebte. Vier der Opfer sind zuvor auf der Straße erschossen worden. Das zweite Denkmal erinnert namentlich an alle Opfer des Verbrechens.

Denkmal an der ehemaligen Casa Cannicci Gedenken an die Toten Namen der Opfer

Der einzige Überlebende erinnert sich
„… Die Deutschen durchkämmten die Gegend um Falzano, weil Partisanen am Vortag zwei Soldalten erschossen hatten. … Als ich ungefähr 30 Deutsche auf mich zukommen sah, bin ich abgehauen… Die Deutschen holten mich ein und traten mich mit Füßen. Dann brachten sie mich mit zehn Männern … zum Bauernhof nach Aiola … wir mussten uns auf der Außenmauer des Bauernhauses aufstellen … ich war sicher, dass wir nun erschossen würden. Plötzlich kam ein Motorrad mit Beiwagen und hielt in der Nähe des Bauernhofs. Der Soldat gab aus dem Fahrzeug Befehle auf Deutsch … dann wurden wir hinunter nach Falzano getrieben, zur Casa Cannicci. Die Deutschen drängten uns in das Erdgeschoss, eine Art Stall. Ich war der drittletzte, der hineingestoßen wurde. Das Tor verrammelten sie von außen mit Stacheldraht. Ich drängte mich in eine der Ecken, die anderen legten sich auf den Boden. … Dann brachten sie schwere Kisten in das Obergeschoss. Ich sah es durch die Türschlitze. Wir hörten noch jemanden die Außentreppe herunter rennen, dann nichts mehr. An die Explosion erinnere ich mich nicht mehr. (Erinnerung des einzigen Überlebenden des Massakers von Falzano vom 27. Juni 1944. Er wurde gerettet, weil nach der Explosion ein Balken und Körper der Getöteten so über ihm lagen, dass er überlebte und von Dorfbewohnern am nächsten Tag gefunden wurde.)" (Auszug aus Süddeutsche Zeitung, 12.09.2008)

Das Urteil
Das Münchner Schwurgericht verurteilte Josef Scheungraber am 11.08.2009 wegen zehnfachen Mordes und eines versuchten Mordes zu lebenslanger Haft. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der Verurteilte den Befehl zur Tötung der Bauern aus Hass, Wut und Rachebedürfnis wegen der am Vortag im Gefecht getöteten beiden Soldaten erteilt hat. Die Revision gegen das Urteil wurde vom Bundesgerichtshof verworfen, das Urteil wurde rechtskräftig.

Literatur / Medien:
Süddeutsche Zeitung 12.09.2008; 24./25./05.2009; 12.08.2009;  de.wikipedia.org/wiki/Josef_Scheungraber; resistenzatoscana.it/monumenti/cortona/monumento_di_falzano/; campidisterminio.altervista.org/site/strage-di-falzano-di-cortona.php