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Valdicastello

Der Ort
Valdicastello ist ein Ortsteil der Comune Pietrasanta mit ca. 1.000 Einwohnern, erreichbar über die SS 439 auf halber Strecke in Richtung Capezzano Pianore. Links abbiegend in die Via Valdicastello Carducci erreicht man Valdicastello in ca. 5 km.  

Das Ereignis
In der ersten Augustwoche 1944 war eine aus ca. 300 Mann bestehende Einheit der 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ in die Nähe von Pietrasanta verlegt worden. Am Morgen des 12. August sammelte sie sich in Valdicastello und rückte in vier Kompanien nach Sant'Anna di Stazzema vor. Dabei wurde sie von ortskundigen Faschisten unterstützt. Die von SS-Hauptsturmführer Anton Galler geführte Kompanie war für die höchste Zahl der Opfer verantwortlich. Nach Beendigung des Massakers kehrten die Soldaten nach Valdicastello zurück, erschossen dort 14 in St. Anna als Lastträger rekrutierte Männer und begannen danach eine Razzia im Ort und der Umgebung; dabei wurden zahlreiche Gefangene getötet, unter ihnen auch der Priester Don Libero Raglianti und der Geistliche Don Renzo Tognetti. Eine Gruppe der Gefangenen wurde nach Lucca und von dort zum Arbeitseinsatz nach Deutschland deportiert, eine zweite Gruppe nach Nozzano, 53 Männer nahm die SS-Truppe als Träger mit und tötete sie wenig später in Bardine di San Terenzo.

Für die Opfer dieser Mordtaten gibt es in Valdicastello mehrere Gedenkstätten.


Gedenkorte in Valdicastello

Gedenktafeln für die Ermordeten von Baccatoio
In der Via di Valdicastello Carducci erinnert eine Gedenktafel an die 40 Geiseln, die am Tag nach dem Massaker von Sant'Anna gefangen genommen und entweder hier ermordet oder, wie hunderte andere aus der Region, als Zwangsarbeiter nach Deutschland deportiert worden sind. Für 14 Kommunisten von Pietrasanta, die ebenfalls am 12. August 1944 ermordet wurden, gibt es in der Via di Valdicastello eine eigene Tafel mit den Namen der Opfer.

Gedenkort Via di Valdicastello (Fotos: Baldini) Gedenktafel für die Opfer von St. Anna Tafel für die ermordeten Kommunisten

Gedenktafeln an der Kirche von Valdicastello
Für Don Libero Raglianti, vier Jahre lang Priester von Valdicastello, bevor er am 12. August 1944 gefangen genommen, nach Nozzano verschleppt und bei Filletole ermordet worden war, gibt es in Valdicastello zwei Gedenkorte. An der Kirche von Valdicastello auf der Piazza Don Libero ehren zwei Tafeln ihn und die mit ihm Ermordeten.

Kirche von Valdicastello mit Gedenktafeln (Fotos: Baldini)

Gedenkstätte für Don Libero Raglianti (Foto: Baldini)An derselben Piazza stehen in einer kleinen Anlage eine Büste von Don Libero Raglianti und eine Ehrentafel. Entlang einer Mauer sind auf Gedenktafeln die Namen der Opfer zu lesen.

Literatur / Medien:
Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung. München 1996, S. 181 ff.; Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945. München/Zürich 1995¸ S.208 ff.; http://resistenzatoscana.it/monumenti/pietrasanta/lapide_dei_fucilati_sul_baccatoio/ (Fotos: Baldini); http://resistenzatoscana.it/monumenti/pietrasanta/lapide_del_baccatoio/ (Foto: Baldini); http://resistenzatoscana.it/monumenti/pietrasanta/monumento_a_don_raglianti/ (Foto: Baldini); http://rete.comuni-italiani.it/wiki/Immagine:Pietrasanta_-_strage_di_valdicastello.jpg