Region Elsass (Alsace), Departement Bas-Rhin


Der Ort
Hauptstadt des Elsass, ca. 280.000 Einwohner/innen; bei Kriegsbeginn wurde die Bevölkerung evakuiert, im Juni 1940 wurde die Stadt Sitz der deutschen Behörden, die von hier aus die Germanisierung des faktisch annektierten Elsass vorantrieben. U.a. durch Gründung der „Reichsuniversität Straßburg“; der Ausweisung der jüdischen Bevölkerung; kurz vor der Befreiung 1945 wurden auf Befehl der Gestapo zahlreiche Mitglieder des Widerstandsnetzes Alliance eremordet.



Gedenktafel an die Opfer von Prof. Hirt (© SanchoPanzaXXI, Wikipedia)Die „Reichsuniversität Straßburg“
Mit Kriegsbeginn wurde die Bevölkerung von Straßburg evakuiert, die Universität nach Clermont-Ferrand verlegt. Von 1941 bis 1944 zog die „Reichsuniversität Straßburg“ mit 100 Professoren in die Uni-Räume. Die „NS-Kampfuniversität“ sollte „die westlichen Nachbarn für die neue europäische Ordnung … unter deutscher Führung gewinnen“ (Werner Best). An der Medizinischen Fakultät lehren u.a. Otto Bickenbach, Eugen Haagen und August Hirt; sie führen tödliche Menschenversuche im KZ Natzweiler-Struthof durch. Weitere Namen s. hier.

Gedenken
Am „Institut de l’Anatomie Normale“ (Anatomisches Institut der Medizinischen Fakultät; 4, rue Kirschleger, Tram: Linie A/D Ancienne Synagogue) wurde eine Gedenktafel für die 86 Opfer von Prof. Hirt angebracht. Die Inschrift lautet (übersetzt): „Zum Gedenken an die 86 jüdischen Opfer, ermordet 1943 im Struthof durch August Hirt, Professor an der NS-Reichsuniversität Straßburg. Ihre sterblichen Überreste ruhen auf dem jüdischen Friedhof Cronenbourg. Die französische medizinische Fakultät des annektierten Straßburg wurde nach Clermont-Ferrand verlegt. Erinnern Sie sich an sie, damit die Medizin nie wieder auf Abwege gerät.“  

Medien
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsuniversit%C3%A4t_Stra%C3%9Fburg

 

Denkmal an die ermordeten Straßburger Juden

Cimetière israélite / jüdischer Friedhof
Der jüdische Friedhof liegt im Stadtteil Cronenbourg, 3, rue d'Oberhausbergen; Tram A 'Saint Florent'. Nahe des Eingangs befinden sich zwei Denkmäler:

Das Denkmal der in der NS-Zeit ermordeten Straßburger Juden ist dem Andenken der deportierten und ermordeten jüdischen Menschen aus Straßburg gewidmet.

Schon 1945 wurde das Denkmal für die 86 Opfer der verbrecherischen Menschenversuche von Professor Hirt im KZ Natzweiler-Struthof errichtet. Es wurde 2005 um die kurz zuvor erforschten Namen der Opfer ergänzt und die sterblichen Überreste symbolisch bestattet. Die Inschrift lautet (übersetzt): „Hier liegen die sterblichen Überreste der 86 jüdischen Männer und Frauen, die aus verschiedenen Konzentrationslagern in Osteuropa in das KZ Struthof gebracht wurden. Sie haben als menschliche Versuchsobjekte gedient und schreckliche Qualen erlitten – im Namen einer Wissenschaft im Dienst des Bösen.“

Denkmal für die 86 Opfer der Menschenversuche

Literatur/Medien
Lang, Hans-Joachim: Die Namen der Nummern. Wie es gelang, die 86 Opfer eines NS-Verbrechens zu identifizieren, Hamburg 2004.
http://www.alemannia-judaica.de/cronenbourg_cimetiere.htm


Erschießung von „Alliance“-Widerstandskämpfern

Der Ort
Im Jardin des Deux Rives (Garten der zwei Ufer) erinnert ein Denkmal an die Ermordung von Mitgliedern des Alliance-Neztwerks durch die Straßburger Gestapo im Herbst 1944. Der Jardin des Deux Rives liegt am Straßburger Rheinufer, zwischen der Europabrücke (E 52 Kehl →Straßburg) und der Passerelle (Fußgängerbrücke).

Gedenkstele für erschossene Alliance-MitgliederDie Ereignisse
Im Sommer 1944 wurde das gaullistische Widerstands-Netzwerk „Alliance“ verstärkt von deutschen Stellen verfolgt. Im Herbst wurde entschieden, alle verhafteten Mitglieder zu töten. Auf Befehl des Straßburger Gestapo-Chefs Schlierbach und des Kommandanten des SS-Sonderlagers Schirmeck, Buck, wurden weit über 100 Widerstandskämpfer ohne Gerichtsverfahren „liquidiert“, u.a. im KZ Natzweiler-Struthof, am Straßburger Rheinufer und in verschiedenen badischen Orten, u.a. Kehl.

Gedenken
Im Jardin des Deux Rives erinnert eine Stele an 29 im November 1944 erschossene Alliance-Mitglieder. Sie ist eine Station des Chemin de la Mémoire.

Medien
http://www.memorialmuseums.org/staettens/druck/1137