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Bubiai

Bezirk Šiauliai

Der Ort
Bubiai ist ein kleiner Ort, ca. 15 km südwestlich von Šiauliai . Man erreicht ihn von Šiauliai in ca. 20 Minuten über die A12 Richtung Tauragė, Ausfahrt Bubiai.

Die Ereignisse
Im September 1941 wurden in Bubiai Hunderte der „nicht arbeitsfähigen“ Juden aus Šiauliai ermordet. "Nicht arbeitsfähig" waren vor allem Kranke, Ältere, auch Frauen und immer wieder Kinder. In dieser Zusammensetzung wurden am 2. September Juden, denen wegen fehlender Arbeitsausweise der Zugang zum Ghetto in Šiauliai verwehrt wurde, auf einen Sammelplatz gebracht. "Vor uns lagen und saßen in Knäueln zusammengesperrt alte Leute, Frauen und Kinder mit von Hunger und Durst verzerrten Gesichtern, mit von Pein und Schrecken wilden Augen"– hielt Eliezer Yerushalmi, Mitglied des Judenrats fest, der sich bemühte, bessere Unterkünfte für die Eingesperrten zu finden (Dieckmann). Während dieser Bemühungen wurden diese Menschen jedoch ohne Kenntnis des Judenrats bereits in Transportwagen der Wehrmacht in den Wald bei Bubiai gebracht und dort am 3. September 1941 erschossen. Der Ort wurde ausgewählt, weil es am schon "üblichen" Mordplatz für die Juden aus Šiauliai im Wald bei Kurziai durch heftigen Regen zu nass geworden war.

Am 6./7. September ereilte das gleiche Schicksal 43 Kinder aus dem Waisenhaus in Šiauliai. Sie wurden zusammen mit der Heimleiterin Zhenia Karpel und dem Lehrer Avraham Katz im Wald von Bubia ermordet. Ein Fahrer des Busses zum Erschießungsplatz berichtete später: "... es war das Schrecklichste, was ich in meinem Leben sah ... Mein Wagen wurde mit Kindern beladen ... als man sie zu den Gruben brachte und zu erschießen begann, hörte man einen furchtbaren Lärm: sie weinten, schrieen, riefen nach ihren Eltern..." (Dieckmann). Sie wurden in zehn Lastwagen aus der Stadt gebracht, unter Schlägen zu den Lehmgruben in der Nähe des Dorfs getrieben und dort erschossen. 

Augenzeugen berichteten, dass die Mordaktion, die am frühen Nachmittag begann und bis zum Abend andauerte, von deutschen Offizieren angeordnet und von litauischen „Weißarmbindern“ ausgeführt wurden. 

Gedenkstätte Bubiai Erster Gedenkstein Zweiter Gedenkstein

Gedenken
Zum Gedenkort Bubiai fährt auf der A 12 von Šiauliai Richtung Taurage bis zur ersten Ausfahrt Bubiai. Kurz vor Bubiai biegt man links in die Šilojų Straße und danach sofort rechts in die Piliakalnio Straße. In einer Linkskurve befindet sich der erster Markstein (450 m). Der Feldweg ist durch große Steine gesperrt. Man geht diesen Weg bis zum Waldrand, dort stößt man auf den zweiten Markstein und geht am Waldrand entlang ca. 150 m bis zum Gedenkort mit zwei Gedenksteinen: ein Gedenkstein mit der Inschrift in Litauisch und Russisch: “Hier sind 500 sowjetische Bürger begraben, die von Hitlers Besatzern am 14. September ermordet wurden"; ein Gedenkstein mit der Inschrift auf Litauisch und Yiddisch: „An diesem Platz ermordeten am 14. September 1941 Nazimörder und ihre lokalen Helfer 500 Juden: Kinder, Frauen und Männer“
GPS 55.85991806 / 23.13078139 / N55°51’35.70’’ / E23°7’50.81’’

Literatur / Medien
Bubnys, A., “The Fate of Jews in Šiauliai and Šiauliai Region” – The Šiauliai Ghetto: Lists of Prisoners. 1942, Vilnius, 2002, S. 230; Dieckmann 2011, Bd. 1, Zitate S. 834; Holocaust Atlas of Lithuania, Vilnius 2011, S. 183
http://www.holocaustatlas.lt/EN/#a_atlas/search//page//item/90/
http://yahadmap.org/#village/bubiai-scaron-iauliai-lithuania.682 (Augenzeugenberichte)