Region Friaul-Julisch-Venetien / Provinz Udine

Der Ort
Die kleine Stadt Nimis mit ca. 2.800 Einwohnern, zu der die Gemeinden Torlano und Nongruella gehören, liegt ca. 20 km nördlich von Udine, erreichbar über die S.S.13  und die S.P. 38.

Tafel mit Namen der Deportierten in NimisGedenkstätte für die DeportiertenDie Ereignisse
Nach der Zerstörung der Partisanenrepublik Carna vernichteten SS-Truppen aus Rache 452 Wohngebäude der Stadt, erschossen sechs Personen und deportierten 28 Männer zur Zwangsarbeit. (Wedekind, S. 456).  Am 16. November 1944 fielen die Deutschen erneut in Nimis ein und ermordeten gemeinsam mit italienischen Faschisten 42 Ortsbewohner, „um ihren Rachedurst zu stillen und die Bevölkerung einzuschüchtern“ (Schreiber 1996, S. 152). Etwas abseits des Zentralplatzes befindet sich eine Gedenkstätte für die aus Nimis während der Besatzungszeit Deportierten, die in deutschen Lagern zu Tode gekommen sind.


Gedenkstätte auf dem Friedhof TorlanoTorlano
Torlano liegt an der S.P. 38 ca. 2 km nördlich von Nimis. In und bei Torlano war es im August 1944 zu einer Schießerei zwischen Partisanengruppen und Angehörigen der SS-Gebirgsjäger-Division „Karstjäger“ unter dem Kommando von Fritz Joachim gekommen, die im Auftrag des SS-Gebietskommandeurs Globocnik auf Partisanenjagd war. Am 25. August  ermordeten die Deutschen bei einer Vergeltungsaktion 33 völlig „unschuldige Menschen, darunter zehn Kinder zwischen zwei und vierzehn Jahren, zwei Jugendliche 16 und 17 Jahre alt, acht Frauen zwischen 18 und 46 Jahren sowie 12 Männer im Alter von 18 bis 74 Jahren“ (Schreiber 1996, S. 188). Die Opfer wurden zunächst in einen  Stall gesperrt, der dann mit Maschinengewehren beschossen, mit Benzin übergossen und verbrannt wurde. Anschließend wurden die Häuser des Ortes zerstört (Wedekind, S. 455). Auf dem Dorffriedhof erinnert eine Grabstätte mit den Namen der am 25. August 1944 in Torlano ermordeten Opfer an das Massaker.


Gedenktafel für die Opfer von Nongruella Nongruella
Nongruella erreicht man auf der S.S. 356 von Nimis in Richtung Attimis (auch hier wurden am 28. September 1944 im Zuge einer Racheaktion 13 Zivilisten getötet und Häuser zerstört), nach wenigen Kilometern führt eine Abzweigung nach Cergneu und von dort nach Nongruella in Serpentinen das Tal hinauf bis an das Straßenende. Dort trifft man auf einen Gedenkstein für 32 ermordete Bauern, die am 12. Dezember 1944 von deutschen Soldaten, vermutlich SS-Angehörigen, niedergemacht wurden, weil sie der Partisanenunterstützung verdächtigt wurden.

Nach 1945
In einem Prozess in Udine 1946 wurden zwei Faschisten, die am Massaker von Torlano beteiligt waren, zu zwei Jahren Haft verurteilt, auf Grund der 1946 vom damaligen Justizminister Togliatti erlassenen Amnestie für Straftaten während der Zeit des Faschismus jedoch wieder in Freiheit kamen. Die Datei mit den Namen der anderen Verantwortlichen verschwand im Schrank der Schande.


Literatur / Medien:
Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung. München 1996, S. 160, 154, 188; Wedekind, Michael: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien. 1943 bis 1945. Die Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“, München 2003, S. 455, 456; http://anpicatania.wordpress.com/2010/06/30/armadio-della-vergogna-leccidio-di-nongruella-friuli-la-lettera-al-presidente-della-repubblica/; http://www.anpi.it/eventi/in-ricordo-delleccidio-torlano-di-nimis__2012825/; http://anpimirano.it/2012/25-agosto-1944-strage-di-torlano-di-nimis/; http://messaggeroveneto.gelocal.it/cronaca/2011/12/11/news/nimis-a-nongruella-oggi-il-ricordo-dell-eccidio-1.2849275