Region Emilia-Romagna / Provinz Ravenna

Gedenkstätte Ponte dei MartiriDie Stadt
Ravenna im Südosten der Emilia-Romagna ist mit 159.057 Einwohner/innen (Stand 2016) der Hauptort der gleichnamigen Provinz. Wegen ihrer besonderen kunsthistorischen Bedeutung wurden 1996 acht Gebäude (frühchristliche Kirchen, Taufkapellen, Mausoleen) des nur noch knapp 10 km von der Adria entfernten Ortes in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Wegen der Verdienste der Bevölkerung während des Kampfes gegen die deutsche Besatzung wurde Ravenna im Jahr 1950 mit der Medaglia d'Oro al Valor Militare ausgezeichnet.
Ravenna ist von Bologna über die A14/A14dir erreichbar (85 km).

Die Ereignisse
Besatzungsterror
Ponte dei Martiri (Teilansicht)Wie noch weit intensiver im Hinterland entlang des emilianischen Apennin verstärkte sich auch in Ravenna im Sommer 1944 der Widerstand gegen die deutsche Besatzung und die Institutionen des faschistischen Salò-Regimes. Die Sabotageaktionen wurden vor allem durch die Gruppe „Terzo Lori" der 28ª Brigata GAP (Gruppi di Azione Patriottica) getragen. Eine ihrer Basen war die kleine Isola degli Spinaroni im Po-Delta.
Nachdem der 22-jährige Student Umberto Ricci, einer ihrer jungen Anführer, am 18. August 1944 in Ravenna den gefürchteten Schwarzbrigadisten Leonida Bedeschi erschoss, wurden er und Natalina Vacchi, Staffette bei den „Terzo Lori", verhaftet. Beide wurden - zusammen mit zehn weiteren politischen Gefangenen - nach tagelangen Folterungen zur „Sühne" für die Ermordung Bedeschis am 25. August 1944 an der Ponte degli Allocchi (heute: Ponte dei Martiri) in Ravenna erschossen.
Umberto Riccis vor der Hinrichtung verfassten Abschiedsbriefe an Eltern und Freunde wurden in die Sammlung Letzter Briefe europäischer Widerstandskämpfer aufgenommen:
„ ... ich habe mir nichts vorzuwerfen und bin meinen Weg gegangen für die Idee, die, ohne Verstellung sei es gesagt, die Mühe lohnt, für sie zu leben, zu kämpfen, zu sterben. ... Seit dem Abend des 17. oder 18. bin ich in ihrer Hand. Wenn ich ausführlich über alle Arten der Folter berichtete, die sie bei mir anwandten, dann hätte ich sechs Monate zu leiden.... " (Malvezzi/ Pirelli, S. 352f.).
Umberto Ricci wurde 1953 posthum die Medaglia d'argento al valor militare verliehen, Natalina Vacchi die Medaglia di bronzo al valor militare.

Befreiung Ravennas
Das östlich des Flusses Senio gelegene Ravenna wurde am 4. Dezember 1944 durch Teile der 8. Britischen Armee befreit. Das nur ca. 15 km entfernte, aber westlich des Flusses gelegene Alfonsine, war noch bis zum 10. April 1945 Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen der deutschen Wehrmacht, Partisanen und Alliierten, bis die Gotenlinie überwunden worden war. Dabei gefallene alliierte Soldaten und auch 33 Männer der mitkämpfenden Jüdischen Brigade sind auf dem Ravenna War Cemetery (Cimitero Britannico) in Piangipane ca. 15 km westlich von Ravenna beerdigt.

Gedenktafel im BahnhofDeportation der Juden
In der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1944 wurden 31 Jüdinnen und Juden, die vorher in Lagern und Gefängnissen in verschiedenen Orten der Provinz inhaftiert waren (siehe: Judenverfolgung in Italien) von Ravenna aus zunächst in das Gefängnis San Vittore in Mailand und von dort aus nach Auschwitz deportiert. Keiner von ihnen überlebte.

Gedenken
Ponte dei Martiri
Am Ort der Erschießungen vom 25. August 1944 wurde im Jahr 1973 eine Gedenkstätte für die 12 Opfer errichtet. Ponte dei Martiri, Via Circonvallazione al Molino.

Stolperstein für den kleinen RobertoPiazza del Popolo
Auf der Piazza del Popolo, die damals noch Piazza Vittorio Emanuele II hieß, trafen am Nachmittag des 4. Dezember 1944 die alliierten Befreier der Stadt, Briten und Kanadier, und Partisanen der 28ª Brigata Garibaldi ein. An der Stirnseite der Piazza del Popolo ehrt die Stadt Ravenna namentlich die Opfer des Befreiungskrieges.

Piazza Garibaldi
Nur wenige Meter von der Piazza del Popolo entfernt wird auf einer Gedenktafel an Piazza Garibaldi sämtlicher Juden und Jüdinnen aus der Provinz Ravenna gedacht, die deportiert und in deutschen Vernichtungslagern umgebracht wurden.

Bahnhof Ravenna
In der Halle des Bahnhofs von Ravenna (Piazza Carlo Luigi Farini) befindet sich eine Tafel, die der 31 Jüdinnen und Juden aus der Provinz gedenkt, die von dort aus in der Nacht vom 25. auf den 26. Januar 1944 über Mailand in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurden. 

Stolperstein für den Schüler Roberto Bachi
Im Januar 2013 wurde vor der Grundschule in der Via Filippo Mordani 5 ein Stolperstein für den Schüler Roberto Bachi verlegt. Bis zum - durch die italienischen Rassengesetze erzwungenen - Ausschluss aus der Schule hatte der 1929 geborene Roberto diese Schule besucht. Von Mailand aus war er am 6. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert worden. Sein genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Im Januar 2017 wurde neben dem Stolperstein ein QR-Code-Mosaik verlegt, das Auskunft über Roberto Bachis Schicksal gibt.

(Karte: Resistenzamappe)Hier geht es zum Anleger Isola degli Spinaroni
Die Isola degli Spinaroni, eine winzige Insel in der nordöstlich von Ravenna gelegenen Brackwasserlagune Piallassa della Baiona, war in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 Standort der „Terzo Lori" der 28ª Brigata GAP und wichtiger Ausgangspunkt für die Befreiung Ravennas.
Ein Hinweisschild an der Via Baiona kurz vor Porto Corsini weist den Weg zur Anlegestelle, von der es von Mai bis Oktober an Wochenenden möglich ist, mit der Barke „Bulow" - benannt nach Arrigo Boldrini (1915-2008), der ab Ende 1944 als „Capitano Bulow" die 28ª Brigata GAP kommandierte - auf die Isola degli Spinaroni mit der Capanno dei partigiani zu gelangen. Informationen und Voranmeldungen (mindestens eine Woche zuvor): ANPI Ravenna, Tel: 0544.408722, Mail: associazionespinaroni@gmail.com.


Einrichtungen:

Istituto Storico della Resistenza
Das Geschichtsinstitut der Provinz Ravenna befindet sich im ca. 15 km entfernten Alfonsine. Anschrift: Istituto Storico della Resistenza e dell'Età Contemporanea in Ravenna e Provincia, Piazza della Resistenza, 6 - 48011 Alfonsine (RA) - Tel. 0544 84302 Fax 0544 84302, e-mail: info@istorico.ra.it, www.istoricora.it.
Museo della battaglia del Senio
Ebenfalls in Alfonsine befindet sich das Museo della battaglia del Senio mit vielen Informationen zur Besatzung und den Kämpfen an der Senio-Front.
Anschrift: Museo della battaglia del Senio, Piazza Resistenza 2, 48011 Alfonsine, Tel. 0544 84302, Fax 0544 84302, E-Mail: museodelsenio@racine.ra.it; ganzjährig (außer im Monat August) geöffnet von Montag bis Freitag 9 - 12 Uhr und 14 –17 Uhr. Nur zwischen Mitte März bis Ende Mai ist das Museum auch am Wochenende geöffnet.

Literatur / Medien:
Malvezzi, Piero / Pirelli, Giovanni (Hg.): Und die Flamme soll Euch nicht verbrennen – Letzte Briefe europäischer Widerstandskämpfer, mit einem Vorwort von Thomas Mann, Berlin 1956; Auszug aus der deutsch-italienischen Datenbank „Atlante delle Stragi Naziste e Fasciste in Italia" für die Ereignisse an der Ponte dei Martiri: www.straginazifasciste.it/?page_id=38&id_strage=4510; it.wikipedia.org/wiki/Natalina_Vacchi; it.wikipedia.org/wiki/Umberto_Ricci_(partigiano); www.pietredellamemoria.it/pietre/pietra-dinciampo-dedicata-a-roberto-bachi-ravenna; resistenzamappe.it/ravenna; resistenzamappe.it/regione/costa/isola_degli_spinaroni