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Villeurbanne

Region Rhône-Alpes, Departement Rhône

Der Ort
Industriestadt mit 145.000 Einwohner/innen am nordöstlichen Rand von Lyon, von dort Metro A. Bemerkenswert ist die „weiße Innenstadt“: ein Ensemble aus Wohnhäusern mit moderaten Mieten, Theater, Rathaus, Geschäften und Türmen in einem an das Bauhaus angelehnten Stil.

Rathaus; Quelle: Vincent Ruf, Wikipedia Wohnhäuser im Zentrum; Quelle: Lyoncapitale.fr Nationales Volkstheater; Quelle: Ursus, Wikipedia

Die Ereignisse
Am 1. März 1943 führte die Wehrmacht eine Razzia als Repressalie nach Résistance-Aktivitäten durch. Soldaten sperrten Straßenzüge ab, holten 300 Männer aus ihren Häusern oder nahmen sie auf dem Weg zur Arbeit fest. 180 wurden über das Internierungslager Compiègne in das KZ Mauthausen deportiert, nur 48 haben überlebt.

Gedenktafel an Razzia am Café Jacob Deportations-Stele, Square de la Déportation Gedenktafel an die Deportation nach der Razzia am Bahnhof

Am 24.August 1944 wollte eine Gruppe des FTP-MOI-Bataillons Carmagnole sich Lastwagen besorgen, um von Erschießungen bedrohte Kameraden zu befreien, u.a. aus dem deutschen Militärgefängnis Montluc in Lyon. Als die 84 Partisanen in eine Schießerei mit Wachleuten gerieten, kamen ihnen hunderte Einwohner spontan zu Hilfe, bauten Barrikaden, besetzten die Post, das Polizeikommissariat und das Rathaus. Es entwickelte sich ein – nicht geplanter – Volksaufstand zur Befreiung der Stadt, eine der wenigen in Frankreich. Drei Tage schlugen sie Versuche der Wehrmacht zurück, die Stadt wieder unter Kontrolle zu bringen. Dann verhandelten sie ihren Rückzug gegen das Versprechen, keine Sanktionen gegen die Bevölkerung Villeurbannes zu ergreifen. Am 3. September 1944 wurde die Stadt endgültig befreit – durch FFL-Truppen.

Denkmal 'Aux Morts de la Libération', Place du Docteur Goujon Dank an die BürgerInnen für Volksaufstand und Befreiungskämpfe Bataillon Carmagnole nach der Befreiung; hist. Foto im Rathaus Befreiung Villeurbannes am 2.9.1944; hist. Foto im Rathaus Tafel Bataillon Carmagnole Liberté

Viele Widerstandskämpfer, Geiseln und 78 Gefangene des deutschen Militärgefängnisses (Lyon-) Montluc wurden auf dem Schießstand La Doua erschossen, heute zentraler Bestandteil des Nationalfriedhofs La Doua. Auf ihm sind viele Soldaten beider Weltkriege beerdigt.

Gedenken
Gedenktafeln am Café Jacob, Place Grandclément/ Ecke Rue Léon Blum, und am Bahnhof (49, Avenue Général Leclerc/Rue Poizat) erinnern an die Opfer der Razzia und der Deportation. Die Figur am Square des Deportés, Rue Léon Blum Nr. 5, ist der berüchtigten Treppe im Steinbruch des KZ Mauthausen nachempfunden, in das viele Männer deportiert worden waren. Gedenkfeier ist jeweils am 1. März.

An Volksaufstand und Befreiung erinnern das Denkmal „Aux Morts de la Libération“ (Marianne sprengt die Ketten) am Place du Docteur Lazare-Goujon hinter dem Rathaus , eine Tafel im Parc Geneviève de Gaulle-Anthonioz (Allee „Parc du Centre“, Rue Francis du Pressensé, Metro: Gratte Ciel), auf der die Stadt den Beteiligten an dem Volksaufstand dankt, und historische Fotos im Treppenhaus des Rathausturms. Eine Straße und ein kleiner Platz sind nach dem Bataillon Carmagnole-Liberté benannt. Gedenkzeremonien finden jeweils am Sonntag um den 3. September statt.

'Le Mur des Fusillés' vor dem Hügel Tafel mit den Namen der 78 Erschossenen Gräber von 17 Erschossenen auf der anderen Seite des Hügels

Der Nationale Soldatenfriedhof La Doua wurde in den 1950er Jahren um die „Butte des Fusillés“ herum errichtet. Die „Mur des Fusillés“ (Mauer der Erschossenen) gegenüber dem Eingang, zwischen Carré A und Carré H, gedenkt der 78 zwischen 1943 und 1944 erschossenen Widerstandskämpfer, die meisten aus dem deutschen Militärgefängnis (Lyon-)Montluc, und nennt ihre Namen. Der Text darunter lautet: „Sie sind gestorben, auf dass der Krieg vergehe und dass Frankreich lebe“. Auf der Rückseite  des Hügels sind 17 erschossene Widerstandskämpfer bestattet. Eingang: 30, Avenue Albert-Einstein, Villeurbanne; von Lyon Tram T 1 →IUT Fessine, Station Croix-Luizet. Geöffnet täglich 10–18 Uhr. www.cheminsdememoire.gouv.fr/fr/la-necropole-de-la-doua-villeurbanne  

Literatur/Medien
Collin, Claude: L'insurrection de Villeurbanne a-t-elle eu lieu? (24–26 août 1944), Grenoble 1994
Dictionnaire historique de la Résistance, Paris 2006, S. 731f.
www.memoire-net.org/etran/etrang25.html
www.jeanpaulbret.fr/?page_id=171
www.viva-interactif.com/liberation_villeurbanne_temoignage.bl
www.utopies-realisees.com/fr/pages/5-sites/fiche-site/quartier-gratte-ciel.2.html (Architektur)