Region Centre, Departement Loiret

Der Ort
Stadt, ca. 9.300 Einwohner/innen, 80 km südlich von Paris: N 20 →Orléans, bei Étampes D 721 / D 921 →Pithiviers; 40 km von Orléans: D 97 →Étampes, nach 25 km rechts auf D 927. Das Internierungslager in Pithiviers war ein Vorhof von Auschwitz.

Allgemeines Deportationsdenkmal

Denkmal an die jüdischen Deportierten

Die Ereignisse
Im französischen Lager Pithiviers wurden zwischen 1941 und 1943 tausende Juden interniert. Die meisten wurden in die Todeslager deportiert, nur 115 überlebten. Darunter waren auch Frauen und Kinder der Razzia des Vel-d’Hiv in Paris. Die Kinder wurden von ihren Müttern getrennt, blieben verstört alleine zurück. Sie wurden wenig später nach Auschwitz deportiert, wo alle ermordet wurden.

Gedenken
Das Denkmal am Square Max Jacob / Rue de l’ancien camp (Nähe Bahnhof) hält die Erinnerung wach; allgemeines Deportationsdenkmal an der Rue Lamartine / Rue Degregny. Gedenkfeiern im Mai und am 17. Juli. Vgl. auch Orléans (CERCIL).

Literatur/Medien
Klarsfeld, Serge: Vichy-Auschwitz. Die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Behörden bei der „Endlösung der Judenfrage“ in Frankreich, Nördlingen 1989, S. 430ff.
CDJC: L'internement des Juifs sous Vichy, Paris 1996, S. 36ff.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Pithiviers_(camp_de_transit)

 

„Jetzt sind die Kinder allein“ – Tafel im Cercil-Museum*„Es gibt nur noch Kinder im Lager“ – Tafel im Cercil-Museum*Die zeitweise in Pithiviers internierte Ärztin Adélaïde Hautval beschreibt die Trennung der Mütter von den Kindern so:
„Der schlimmste Transport ist der vom 2. August 1942: Eltern werden von ihren Kindern getrennt. Diese müssen im Lager bleiben. Man kann sich vorstellen, was das bedeutet, wenn man weiß, dass es 1.200 Kinder sind. Nur die Kinder über fünfzehn können ihre Familie begleiten. Unsägliche Szenen! Die Kinder werden mit Gewalt von ihren Eltern weggerissen. Eine halb wahnsinnige Frau entführt ihr Kind aus der Krankenstation. Ich habe an diesem Tag mehr als einen Gendarmen weinen sehen. Sie mussten diese Familienszenen beenden und die Leute aus den Baracken jagen. Die meisten waren auf diese Aufgabe nicht vorbereitet. Der Lagerkommandant kam zu mir, um mich zu bitten, meinen Einfluss bei den Müttern zu nutzen und ihnen zu sagen, dass die Kinder bald mit ihren Eltern zusammenkommen würden. Er zeigt mir einen Brief der Präfektur von Orléans, der wörtlich folgende Sätze enthält: 'Die Eltern werden vorgeschickt, um das Lager aufzubauen. Die größte Sorgfalt wird darauf verwendet, dass die Lebensbedingungen für die Kinder möglichst gut sind.' ….
Auf der Krankenstation sind jetzt nur noch Kinder …. Sie sind stumm geworden, antworten auf keine Frage. Niemals sieht man auf ihren Gesichtern den kleinsten Anschein eines Lächelns. Erschöpft und stumpf lassen sie alles mit sich geschehen, gleichgültig gegenüber dem, was noch passieren kann ...“
(Aus: Hautval, Adélaïde: Medizin gegen die Menschlichkeit. Die Weigerung einer nach Auschwitz deportierten Ärztin, an medizinischen Experimenten teilzunehmen, Berlin 2008, S.23 bzw. 24.)

 

*Fotos mit freundlicher Genehmigung des Cercil-Museums, Orléans.