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Jüdische Friedhöfe

Bick auf Gräber von Ghetto-OpfernDer jüdische Friedhof in Vilnius (Suderves-Kelias-Straße 28), der seit Mitte der 1940er Jahre genutzt wird und dessen Gelände die Jüdische Gemeinde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg erworben hatte, ist neben seiner allgemeinen Funktion ein besonderer Gedenkort für die Opfer des Ghettos und für die ermordeten und gefallenen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer.

Ein Gedenkstein ist den Opfern des Ghettos der Jahre 1941/1942 gewidmet. Eine größere Anzahl von Einzelgräbern birgt die sterblichen Überreste im Ghetto Verstorbener. Eigene Gedenksteine sind den im Ghetto verstorbenen oder getöteten Lehrern und den in der Kinderaktion vom März 1944 ermordeten Kindern gewidmet.

Besondere Gedenksteine nennen Namen führender Widerstandsmitglieder: unter anderem Yitzak Witenberg, den ermordeten Führer der FPO, Sonia Madeysker, die als FPO-Mitglied zu Tode gefoltert worden ist, und Joseph Glazman, der der FPO-Führung angehörte und als Partisan gefallen ist. 

Gedenkstein für Josef Glazman Gedenkstein für Wittenberg und Madeyska Ghetto-Denkmal Gedenkstein für Lehrer  Gedenkstein für die ermordeten Kinder

Die beiden großen und traditionsreichen jüdischen Friedhöfe existieren nicht mehr, nur noch Erinnerungsorte machen auf sie aufmerksam. Der älteste Friedhof, noch im 15. Jahrhundert gegründet, bis 1830 genutzt und danach in Ehren gehalten, lag im Stadtteil Šnipiškės am rechten Ufer der Neris. Er ist nach 1948 von der sowjetischen Administration zerstört worden. In unmittelbarer Nähe der Sportarena, im Park entlang der Olimpieciu-Straße, erinnern ein im Jahr 1993 errichteter Gedenkstein sowie seit 2011 eine Erinnerungstafel zur Geschichte an den alten jüdischen Friedhof.

Der danach eingeweihte Friedhof mit ungefähr 70.000 Grabstätten lag Stadtteil Užupis und wurde bis Mitte der 1940er Jahre genutzte. Er wurde Anfang der 1960er Jahre ebenfalls von der sowjetischen Administration zerstört, die Grabsteine als Baumaterial verwendet. In den 1960er Jahren wurde damit begonnen, einen Teil der an zahlreichen Stellen der Stadt verbauten Grabsteine wieder zusammen zu tragen. Ein Monument, das aus ca. 70 dieser aufgefundenen Grabplatten und Fragmenten zusammengesetzt ist, wurde 2004 am früheren Eingang zum Friedhof (Olandu-Straße 22) zusammen mit einem Gedenkstein eingeweiht.

Gedenkstätte alter Friedhof Užupis Gedenktafel alter Friedhof Užupis Gedenstein alter Friedhof Šnipiškės

Literatur / Medien
Guzenberg, Irina: Vilnius. Sites of Jewish Memory. A Concise Guide, Vilnius 2013, S. 64–73;
http://www.deathcamps.org/occupation/pic/bigvil8.jpg
http://www.jewish-heritage-europe.eu/2017/01/24/vilnius-the-challenge-of-the-old-jewish-cemetery/%E2%80%9D