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Florenz

Region Toscana / Provinz Florenz

Die Stadt
Zu Florenz, der Hauptstadt der Toscana, und zur Provinz Florenz gehören 44 Kommunen. Die Stadt selbst hat hat ca. 400.000 Einwohner, die Metropolenregion ca. 1,5 Millionen. Florenz spielte u.a. in der Zeit des Risorgiomento, der nationale Vereinigung Italiens im 19. Jahrhundert, als vorläufige Hauptstadt des Königreichs Italien eine wichtige Rolle und wurde in dieser Zeit zu einer modernen Stadt umgebaut.

Die Ereignisse
IZerstörte Brücke, Florenz 1944 (Foto: Imperial War Museum London)n Florenz ereigneten sich während der deutschen Besatzung zunächst keine größeren Zwischenfälle. Hitler hatte befohlen, die Stadt von allen Kampfhandlungen auszunehmen. Dennoch organisierte sich der Widerstand in der Stadt. An zahlreichen Häusern erinnern Gedenktafeln an erschossene Partisanen. Die Entwicklung verschlimmerte sich im Frühjahr 1944. Einige Stationen:

  • Am 22. März 1944 wurden auf dem Campo di Marte fünf junge Bauernsöhne aus Vicchio erschossen, da sie sich geweigert hatten, sich der Armee von Salò anzuschließen.
  • Eine wichtige Funktion im Widerstandskampf kam dem Untergrundsender Radio Cora zu, der den Alliierten Informationen lieferte. Der Sender wurde am 7. Juni 1944 von den Deutschen lokalisiert und ausgehoben.
  • Ein Ort des besonderen Terrors in Florenz wurde die Villa Triste, Sitz der Gestapo, in der Gefangene gefoltert und ermordet wurden.
  • Von Florenz aus operierte ein Untergrundnetz, das Juden versteckte und ihnen gefälschte Papiere besorgte, um deren Flucht zu ermöglichen. Der legendäre Radrennfahrer Gino Bartali, der selbst eine jüdische Familie versteckte, arbeitete für diese illegalen Gruppen, unter anderem auch für Delasem.


Ende Juli 1944 eroberte die britische Armee die 10 km südlich von Florenz bis dahin von der Wehrmacht gehaltene Verteidigungslinie. Florenz wurde von den Deutschen zur „offenen Stadt“ erklärt. Das Verbot der Zerstörung wurde aber wieder zurückgenommen und der Befehl zur Sprengung sämtlicher Brücken – außer des Ponte Vecchio – und einer ganzen Häuserzeile der historischen Altstadt gegeben. Partisanen, die die Sprengungen verhindern wollten, wurden mit den Häusern in die Luft gesprengt. Auch auf dem Hauptbahnhof Santa Maria Novella kam es zu einem Gefecht zwischen Partisanen und deutschen Soldaten. Die Partisanen lieferten sich mit der sich nach Norden zurückziehenden deutschen Armee heftige Kämpfe (Pian d'Albero, Tre Pini).
 

Gedenken
Eine Auswahl der vielen Orte des Gedenkens in der Stadt:

Gedenktafel für die Partisanen der Stadt Florenz
Im Palazzo Vecchio an der Piazza Signoria hängt eine Tafel zu Ehren aller  
gefallenen und ermordeten Partisanen der Kommune Florenz.

Gedenkstätte für die Opfer von Florenz
Auf dem Friedhof Rifredi (Via Panciatichi) befindet sich eine eindrucksvolle Gedenkstätte für die Opfer von Florenz: namentlich genannte oder unbekannte PartisanInnen der Kämpfe in und um Florenz, sowie die Namen der zivilen Opfer.   

Mahnmal für die Opfer von Cascine
Am Ufer des Arno, im Stadtteil Cascine an der Viale Giorgio Washington, steht ein Mahnmal für 17 hier am 24. Juli 1944 getötete Partisanen.

Gedenkstätte auf dem Friedhof Rifredi (Foto: Baldini) Mahnmal in Cascine (Foto: Baldini)

Gedenkstätte an der Piazza Tasso
In dem kleinen Park an der Piazza Tasso erinnert eine Gedenkstätte mit zwei Tafeln an den Mord unschuldiger Zivilisten von Oltrarno, die hier am 17. Juli 1944 beim Rückzug der Faschisten getötet worden sind. Auf einer Tafel stehen die Namen der Opfer, die zweite ist den getöteten Partisanen und den Deportierten von Oltrarno gewidmet.

Frauenwiderstand
Den Widerstand der Frauen von Florenz ehrt eine Tafel am Chiasso delle Missure.

Gedenktafel für politische Häflinge
An der Piazza Santa Maria Novella erinnert eine Tafel an einem Gerichtsgebäude an Hunderte politische Gefangene, die hier verurteilt und in die Lager Auschwitz, Buchenwald und Mauthausen deportiert worden sind.

Gedenkstätte an der Piazza Tasso Gedenktafel an der Piazza Santa Maria Novella (Foto:Baldini)

 

Gedenkstätte im Stadion Campo di Marte

Gedenkstätte Campo di Marte
An einem der Eingänge zum Stadion Campo di Marte (viale Maratona) ist den Opfern der faschistischen Gewalt und den gefallenen Partisanen eine Gedenkstätte gewidmet, u.a. für die am 22. März 1944 ermordeten Bauernsöhne und für die in zahlreichen Kämpfen im Gebiet von Florenz  (u.a. Pian d'Albero, Fiesole Tre Pini) gefallenen Partisanen.

 

 Denkmal im Garten der Synagoge (Foto: Baldini)

Denkmal für die ermordeten Juden
Für die große Zahl der aus Florenz in die Vernichtungslager deportieren Juden und für die ermordeten jüdischen Partisanen gibt es im Garten der Synagoge in der Via Farini 6 ein eindrucksvolles Denkmal mit den Namen der Opfer.





Adressen:
Istituto Storico della Resistenza in Toscana, Via Carducci, 5/37, 50121 Firenze
Tel. 055 284296; E-Mail: isrt@istoresistenzatoscana.it; http://www.comune.firenze.it/isrt/

Centro documentazione sugli eccidi nazifascisti, Via dei Pucci 4,  Firenze
Tel. 055-284296, www.eccidi1943-44.toscana.it

"Fondo Franca Pieroni Bortolotti", Archivio di Studi di Storia delle Donne, Biblioteca delle Oblate
Via dell'Oriuolo, 26, Firenze; http://www.comune.firenze.it/comune/biblioteche/bup/women.htm


Literatur / Medien:
Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945. München/Zürich 1995; S. 173/174; Gerhard Hümmelchen: Die Kämpfe um Florenz im Sommer 1944, 1965;  Simonis, Paolo De: Passi nella memoria, 2004, S. 63–71 (Wanderführer zu Pian d'Albero); http://toscano27.wordpress.com/i-compagni-di-firenze/ ; http://toscano27.wordpress.com/firenze-23-marzo-1944-campo-di-marte/; http://resistenzatoscana.it/monumenti/FI/  ; http://resistenzatoscana.it/monumenti/firenze/sacrario_dei_partigiani_fiorentini/ (Foto: Baldini); http://resistenzatoscana.it/monumenti/firenze/monumento_della_sinagoga/ Foto: Baldini);  http://resistenzatoscana.it/monumenti/firenze/lapide_alle_donne_della_resistenza/ (Foto: Baldini); http://resistenzatoscana.it/monumenti/firenze/lapide_dei_detenuti_politici/ (Foto: Baldini); http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Firenze_Santa_Maria_Novella; Foto Imperial War Museum, London,  TR_002290