Region Emilia-Romagna / Provinz Modena

Piazza dei MartiriDer Ort
Die Kleinstadt liegt 20 km nördlich von Modena, direkt erreichbar von der Abfahrt Carpi der A 22 aus (von Modena Nord in Richtung Mantova).

Die Ereignisse
Der Bahnhof Carpi war zwischen Herbst 1943 und Frühjahr 1945 Ausgangspunkt für die Transportzüge mit den vom Durchgangslager Fossoli in die deutschen Vernichtungslager deportierten politischen und jüdischen Gefangenen. In Carpi selbst und ausgehend von der Stadt erfolgten zwischen September 1943 und April 1944 zahlreiche Widerstands- und Partisanen-Aktionen u.a. gegen faschistische Einrichtungen, auch gegen die Bahnlinie. Carpi und das dortige Museum ist vor allem zum Ort der Erinnerung an die Deportationen aus Fossoli geworden.

Museo al Deportato – Stelen im Innenhof

Das Gedenken
Der große, lang gestreckte Zentralplatz Carpis trägt den Namen „Piazza dei Martiri“. An dem Platz liegt das große Barockgebäude des Palazzo dei Pio I.

 

 

Museo Monumento al Deportato
In einem der Seitenflügel des Palastes befindet sich das „Museo Monumento al Deportato“, das in dreizehn Sälen an das Schicksal der von Carpi aus deportierten Gefangenen des Lagers Fossoli erinnert. Im Hof des Palastes machen die auf hohen Betonstelen eingravierten Namen der Lager die Zielorte der Transportzüge sichtbar, zu denen ungefähr 5.000 italienische Juden und Antifaschisten zwischen Herbst 1943 und Anfang 1945 deportiert worden sind. Nur wenige der Deportierten haben überlebt.

 

Saal der Namen

Wandgemälde von Léger

Das Museum entstand auf Initiative u.a. der Vereinigung der ehemaligen Deportierten (ANED), der Jüdischen Gemeinde und der Stadt Carpi in Zusammenarbeit mit Künstlern und Architekten. Es soll die Erinnerung an das Deportationslager Fossoli lebendig erhalten. An den Wänden der Museumssäle haben Corrado Cagli, Renato Gattuso, Alberto Longoni, Fernand Legér und Pablo Picasso eindrucksvolle Graffiti geschaffen. Ebenfalls an den Wänden sind bewegende Zitate aus den letzten Briefen zum Tode verurteilter europäischer WiderstandskämpferInnen zu lesen. Die Texte stammen aus den „Lettere di condannati a morte della resistenza europea“, erstmals veröffentlicht bei Einaudi 1954; sie sind in einer auch in Deutsch ausliegenden Broschüre wiedergegeben. „Es ist herzzerreißend, dies zu lesen, doch noch erschütternder ist der letzte der Säle, in dessen Wände vierzehntausendreihundertvierzehn Namen von in deutsche Konzentrationslager verschleppten Juden und politischen Gefangenen eingeschrieben sind“ (Schlüter in: FAZ.NET 20.11.2011).

Adresse des Museums: Piazza dei Martiri, 68, 41012 Carpi (Modena), Tel. 059 649955; www.fondazionefossoli.org/it/museo.php



Sitz der Fossoli-StiftungGedenktafel im Bahnhof von Carpi

Fondazione ex Campo Fossoli
Carpi ist Sitz der „Fondazione ex Campo Fossoli“, die Trägerin des Museums und der Gedenkstätte Fossoli ist. Sie befindet sich im Gebäude der ehemaligen Synagoge Carpi, organisiert nach Voranmeldung auch Führungen sowohl im Museum wie auch im ehemaligen Lager Fossoli und kann – wenige Meter von der Piazza dei Martiri entfernt – besucht werden (Via G. Rovighi, 57 E-Mail: fondazione.fossoli@carpidiem.it; Internet: www.fondazionefossoli.org)

 Primo Levi berichtet über die Abfahrt der Deportation vom Bahnhof Carpi:
„Mit der absurden Präzision, an die wir uns später gewöhnen sollten, nahmen die Deutschen den Appell vor: ,Wie viel Stück?' fragte der Oberscharführer zum Schluss; und der Rottenführer stand stramm und meldete, es seien sechshundertfünfzig ,Stück', und alles stimme. Sodann verlud man uns auf Autobusse und brachte uns zum Bahnhof Carpi. Dort erwarteten uns Zug und Bewachung. Und dort erwarteten uns die ersten Schläge. Das war so neu für uns und so unsinnig, dass wir keinen Schmerz empfanden, weder körperlichen noch seelischen. Nur tiefe Verwunderung. Wie kann man Menschen schlagen, ohne zornig zu sein?
Zwölf Waggons waren es, und wir waren sechshundertfünfzig; mein Waggon fasste nur fünfundvierzig, aber er war klein. Jetzt also hatten wir vor unseren Augen und unter unseren Füßen einen jener berüchtigten deutschen Transportzüge, die nicht wiederkehrten ... “ (Levi: Ist das ein Mensch?, S. 34)

Im Bahnhof von Carpi hängt eine Gedenktafel mit Zeilen von Primo Levi.

 

 

 

Literatur / Medien:
www.fondazionefossoli.org; „Guerra e Resistenza in pianura“ (Krieg und Widerstand in der Poebene), große Faltkarte mit Informationen (in Italienisch) zu Carpi und Umgebung (Hg. Istituto storico di Modena); CD-Rom „Il Museo Monumento al Deportato“ (Hg. Fondazione ex Campo Fossoli)
www.visitmodena.it/de/spielen_2/modena_flachland/carpi_erinnerung.aspx