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Niccioleta

Provinz Grosseto / Region Toskana

Der Ort
Ehemals wichtiger Minenort (Schwefel, Pyrid, Gips), an der SR 439 zwischen Massa Maritima und Castelnuovo. Das kleine Bergarbeiterdorf wurde für Minenarbeiter gebaut. Es wird immer noch Pyridstein abgebaut, der für die Herstellung von Sprengstoff wichtig ist.

Das Ereignis
1944 erließ Hitler den Befehl, alle Minen in Italien vor dem Eintreffen der Alliierten zu zerstören. Eine Partisanengruppe informierte die Minenarbeiter, die daraufhin beschlossen, ihre Mine und ihre Arbeitsplätze zu verteidigen. Primitiv bewaffnet, patrouillierten die Männer in festen Schichten. Diese Pläne fielen den wenigen Faschisten Niccioletas in die Hände, die sie an eine in Massa Marittima stationierte Wehrmachtstruppe weitergaben. Am 13. Juni 1944 umstellten 300 Soldaten der Brigate Nere und der Waffen-SS – vermutlich das 16. Panzergrenadierregiment „Reichsführer SS“ – das Dorf und entwaffneten die Bergarbeiter. Sechs von ihnen wurden auf Denunziation der Faschisten standrechtlich erschossen, 150 nach Castelnuovo Val di Cecina getrieben und dort über Nacht interniert. Nach den ihnen in die Hände gefallenen Listen wurden 77 von ihnen am nächsten Tag von einer SS-Einheit aus San Sepolcro und Männern des III. Freiwilligen-Polizei-Bataillons Italien in Gruppen zu 15 Mann auf einem Hügel an der Stadtgrenze erschossen, 21 nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert, die Alten nach Hause entlassen.
Dieses Verbrechen war 1967 Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens in Göttingen, bei dem es jedoch nicht gelang, die Täter oder ihre Einheit festzustellen.

Gedenken
In Niccioleta erinnert eine Gedenktafel in der Via della Miniera an die sechs in Niccioleta erschossenen Arbeiter, ein Denkmal in der Viale delle Miniere / Via S. Barbara und eine kleine Kapelle in der Viale dei Minatori, den 77 in Castelnuovo Val di Cecina ermordeten Bergleuten gewidmet ist.

Gedenktafel in der Via della Miniera (Foto: Chiti) Denkmal in der Viale delle Miniere Sockel mit Namen der Opfer Kapelle in der Viale dei Minatori (Foto: Baldini)
Weitere Gedenkstätten für die Opfer dieses Massaker gibt es in Castelnuovo Val di Cecina und an den Rathäusern von Massa Marittima und Castell'Azzara.

Literatur / Medien:
Simonis de, Paolo: 3. Guida ai luoghi delle stragi nazifasciste in Toscana, Rom 2004, S. 35–47 (+ Wanderweg); Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945. München/Zürich 1995, S. 183; Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung. München 1996, S. 169; http://resistenzatoscana.it/storie/la_strage_dei_minatori_di_niccioleta/; http://resistenzatoscana.it/monumenti/massa_marittima/lapide_di_niccioleta/ (Foto: Chiti); http://resistenzatoscana.it/monumenti/massa_marittima/tabernacolo_alle_vittime_di_niccioleta/ (Foto: Baldini); http://resistenzatoscana.it/monumenti/massa_marittima/lapidi_del_municipio/; http://resistenzatoscana.it/monumenti/castell_azzara/lapidi_del_municipio/; http://nuernberg.vvn-bda.de/_alt/italien.htm