Region Umbrien / Provinz Terni

Cascata delle Marmore (Wikipedia)Der Ort
Marmore ist eine zu Terni gehörende umbrische Gemeinde mit circa 800 Einwohnern. Der Ort liegt am dreistufigen, künstlich geschaffenen Wasserfall Cascata delle Marmore, an dem der Fluss Velino 165 Meter in die Tiefe stürzt – allerdings nur, wenn 3 mal täglich die Schleusen geöffnet werden. Als bei Touristen besonders beliebt gilt der Aussichtspunkt Balcone degli Innamorati (Balkon der Verliebten).
Zu erreichen ist Marmore von Terni (8 km) über die SS 79 in Richtung Rieti (Region Latium). Der Weg zur „Cascata delle Marmore“ ist ausgeschildert.


Gedenktafeln für Pietro MontesiDie Ereignisse

In der Nacht des 19. Mai 1944 entdeckten deutsche Soldaten in Marmore Partisanen des Battaillons „Spartaco Lavagnini“ (Brigata Garibaldina Antonio Gramsci), die sich in der dortigen Mühle mit Mehl versorgen wollten. Bei dem anschließenden Feuergefecht starben sieben Deutsche, die Partisanen konnten entkommen. Einen Tag später kam es zur „Sühneaktion“: Am 20. Mai 1944 stürmten italienische Faschisten das Haus des an der Tat vollkommen unbeteiligten 65-jährigen Pietro Montesi, von dem bekannt war, dass er als Antifaschist gute Verbindungen zur Resistenza hatte, zerrten ihn aus dem Haus und brachten ihn um.


Gedenken

Zwei Jahre nach dem Mord an Pietro Montesi wurde 1946 eine erste Gedenktafel am Ort des Geschehens angebracht, im Jahr 1973 eine weitere. Das Haus, in dem Pietro Montesi wohnte, beherbergt mittlerweile das Kassenhäuschen und den Informationsschalter für den Zugang zur Cascata delle Marmore. Direkt davor wurden im Jahr 2010 zwei große Marmortafeln aufgestellt mit der berühmten, Duccio Galimberti gewidmeten Antwort von Piero Calamandrei an Generalfeldmarschall Kesselring, der trotz seiner Verurteilung wegen Kriegsverbrechen 1947 und nach seiner vorzeitigen Entlassung 1952 die zynische Bemerkung gemacht hatte, die Italiener hätten ihm eigentlich aus Dankbarkeit ein Denkmal errichten müssen: „Lo avrai, camerata Kesselring....“.

 

 

 Deutsche Übersetzung:

Du kannst Dein Denkmal haben, Kamerad Kesselring,
das Du von uns Italienern erwartest.
Aus welchem Stein es bestehen wird,
entscheiden aber wir:
Nicht aus den rauchgeschwärzten Mauersteinen
unserer wehrlosen, von Deinem Vernichtungswillen
verwüsteten Dörfer,
auch nicht aus der Erde unserer Friedhöfe,
auf denen unsere jungen Kampfgefährten in Frieden ruhen.
Nicht aus dem reinen Schnee unserer Berge,
die Dir zwei Winter lang widerstanden haben,
nicht aus dem Frühling der Täler,
aus denen du dich davon gemacht hast.
Das Denkmal wird bestehen
Aus dem Schweigen der Gefolterten,
das härter als Granit war,
aus dem freiwillig geschlossenen,
felsenfesten Pakt freier Menschen,
die sich nicht aus Hass, sondern
zur Wahrung ihrer Würde und
zu ihrer Befreiung verbunden haben,
um Schande und Schrecken vom
Antlitz der Welt zu tilgen.
Solltest Du auf diesen Straßen zurückkehren wollen,
wirst Du uns alle in unseren Dörfern auf dem Posten finden:
Tote und Lebende mit der gleichen Verpflichtung
Vereint um das Denkmal, dessen Namen lautet:
Ora e sempre resistenza – Heute und immer: Widerstand

Literatur / Medien:
Rossi, Tommaso: Tracce di Memoria – Guida ai luoghi della Resistenza e degli eccidi nazifascisti in Umbria, Foligno 2013, S. 738-741; de.wikipedia.org/wiki/Cascata_delle_Marmore