Region Friaul-Julisch Venezien / Provinz Triest

Blick auf Triest

Die Stadt
Die Jahrhunderte lang zu Österreich gehörende Hafenstadt wurde nach dem Ersten Weltkrieg italienisch, ebenso große Teile der ehemals slowenischen und kroatischen Gebiete Österreichs, Istrien und Ostfriauls, die heute zur autonomen Region Friaul-Julisch Venetien gehören. Triest mit seinen ca. 205.000 Einwohner/innen (2010) ist seit 1962 die Hauptstadt der Provinz Triest sowie der Region Friaul-Julisch Venetien, gehört aber erst seit 1975 definitiv zu Italien. Die Stadt ist auch heute noch ein Ort des Zusammentreffens verschiedener Kulturen, Sprachen, Religionen und Ethnien.

Historisch ist Triest von großen Konflikten zwischen der italienischen Mehrheitsgesellschaft und der Minderheit der slowenischen Bevölkerung geprägt. Mit Beginn der faschistischen Herrschaft 1922 wurden die Kräfte der faschistisch-imperialen Zwangsitalienisierung übermächtig, auf der anderen Seite wuchs der Widerstand der nichtitalienischen Bevölkerung.


Die Ereignisse
Nach dem 8. September 1943 wurde die Region Triest, Udine, Gorizia, Pula, Fiume und Ljubljana zur Operationszone Adriatisches Küstenland zusammengefasst, die direkt dem Reich unterstand und zum "Bandengebiet" mit uneingeschränkter Gewaltbefugnis für die Besatzungsmacht erklärt wurde. Das militärische Kommando über diese Zone lag bei General Ludwig Kübler, für die zivile Verwaltung war Friedrich Rainer und für die polizeiliche Gewalt Odilo Globocnik zuständig. Auf Globocniks Veranlassung wurde in einem Vorort von Triest die Risiera di San Sabba, ursprünglich eine Reismühle, zum Konzentrationslager umgewandelt. Es diente als Gefängnis für politische Häftlinge, für gefangene Partisanen, Mitglieder der GAP und des CLN, sowie als Sammellager für Juden vor ihrer Deportation in die Vernichtungslager.

Die Synagoge von TriestDie Jüdische Gemeinde von Triest
Die Triestiner Juden waren dank der offenen Einwanderungspolitik der Habsburger Monarchie seit Jahrhunderten in die städtische Gesellschaft integriert. In Triest lebten vor dem Zweiten Weltkrieg ca. 6.000 Juden. Die Jüdische Gemeinde galt als eine der größten und reichsten Italiens und besaß eine prachtvolle Synagoge, die das Zentrum des Gemeindelebens war. Ab Juni 1940 häuften sich Beschimpfungen und Überfälle auf Mitglieder der Gemeinde. Die Synagoge wurde ebenfalls Ziel antisemitischer Angriffe, bis sie im Juni 1942 Opfer eines Brandanschlags wurde. Nur das Eingreifen der Feuerwehr verhinderte ihre völlige Zerstörung, doch wertvolles Inventar war unwiederbringlich verloren.  
Zwischen 1943 und 1944 diente die Synagoge als Lager für beschlagnahmtes, jüdisches Eigentum aus Geschäften und Wohnungen, deren Besitzer deportiert worden waren. Ab Dezember 1943 verließen die ersten Deportationszüge Triest Richtung Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen, organisiert von den Spezialisten der Judenjagd unter Odilo Globocnik (Friaul Julisch-Venetien Einführung). Fast 1200 Juden und Jüdinnen von Triest fielen den Deportationen zum Opfer. Im März 1944 wurde Triest als „judenfrei“ erklärt.

Gedenken
Die Synagoge wurde 1945 wieder eröffnet und restauriert. Sie ist für Besucher nur sonntags von 10-11 Uhr geöffnet. Zu finden ist sie in der Via Guide Zanetti, 34121 Trieste, Tel. Jüdische Gemeinde +39040672673. Auf dem jüdischen Friedhof in der Via della Pace 41, nicht weit von dem ehemaligen Lager der Risiera San Sabba, erinnert ein Marmordenkmal an Namen, Geburts- und Todesjahr der Opfer des Holocaust. Auf Wunsch wird eine Führung über den jüdischen Friedhof angeboten.



Piazza OberdanPiazza Oberdan
Direkt an der Piazza Oberdan in der Via Carducci, gegenüber dem heutigen Regierungssitz der Region Friauli Venezia Giulia, steht der ehemalige Palazzo RAS, in dem von 1943 bis 1945 das Gestapo-Hauptquartier mit Gefängnis und Folterkammern im Keller untergebracht war, aus denen die Schreie der Folteropfer  – wie  Augenzeugen berichten – bis auf die Straße zu  hören waren. Heute gehört das Gebäude einer Versicherung. Zur Erinnerung an seine frühere Funktion sind zwei Gedenktafeln angebracht.

Treppenhaus Palazzo Rittmeyer


Via Ghega / Palazzo Rittmeyer
Von der Piazza Oberdan gelangt man über die Piazza Dalmazia und die Via martiri della libertá zum Haus Nr. 12 in die Via Ghega, dem ehemaligen Palazzo Rittmeyer. In diesem Gebäude war der Verwaltungssitz der „Operationszone Adriatisches Küstenland“ mit Büros auch für die Wehrmacht untergebracht. Gleichzeitig diente der Palazzo als Soldatenheim. Am 22. April 1944 explodierte eine von zwei Partisanen der Slowenischen Befeiungsbewegung  „Fronte di Liberazione Sloveno“ gelegte Bombe in der Mensa des Soldatenheims. Aus Rache für denTod von fünf Soldaten wurden noch in der gleichen Nacht 51 Geiseln – Italiener, Slowenen, Kroaten – aus den Gefängnissen Coroneo und dei Gesuite geholt und in die Via Ghega gebracht. Dort wurden sie  im Treppenhaus und an den Fenstern erhängt und zwei Tage zur Abschreckung zur Schau gestellt. Unter den Toten waren auch Frauen und Jugendliche im Alter von 16, 17 und 18 Jahren.

 

Palazzo Rittmeyer

Gedenken
An der Außenseite des ehemaligen Palazzo Rittmeyer, in dem heute das „Conservatorio di musica Giuseppe Tartini“ untergebracht ist, erinnert eine Tafel an das Verbrechen vom 22. April 1944. Im Inneren ist der sich nach oben windendeTreppenaufgang, an dem die Geiseln erhängt wurden, zu sehen.




Via d'Azeglio


Via d'Azeglio
Am Abend des 27. März 1945 verübte eine Gruppe der GAP einen Anschlag auf eine Garage der Wehrmacht in der Via Massimo d'Azeglio, bei dem es keine Opfer gab. Die SS nahm vier Partisanen zwischen 17 und 21 Jahren fest. Sie wurden brutal gefoltert und am 28. März öffentlich  vor der Garage aufgehängt.

Gedenken
An der Garage in der Via d'Azeglio erinnert eine Tafel an die vier Opfer.


Triest JustizpalastJustizpalast
Der heutige Justizpalast auf dem Foro Ulpiano 1 diente von 1943–1945 als Sitz des Obersten Kommissars der Operationszone Adriatisches Küstenland. Am Gebäude erinnert nichts an seine damalige Funktion.

 





Einrichtungen:
Weiterführende Informationen, Literatur und Dokumente findet man im Istituto Regionale per la storia del movimento di liberazione nel Friuli e Venezia Guilia, Salita di Gretta 38, Villa Primc, Trieste, Tel.: +39-040-44004, e-mail: irsml@irsml.it; www.irsml.eu/

Literatur / Medien:
Fransecky, Tanja von / Rudorff, Andrea / Schneider, Allegra / Stracke, Stephan (Hg.): Kärnten, Slowenien, Triest. Umkämpfte Erinnerungen. Bremen 2010 ; Wedekind, Michael: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien. 1943 bis 1945. Die Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“ (= Militärgeschichtliche Studien. Bd. 38), München 2003; Un percorso (2006); Führer "Triest und sein Umland, Touring Editore 2011, S. 70; Dizionario della Resistenza, nuova edizione, a dura di Enzo Collotti, Renato Sandri e Frediano Sessi, Enaudi, Torino 2006; S. 214 ff.; de.wikipedia.org/wiki/Triestlombardia.anpi.it/voghera/dossierfoibe/trieste.htmwww.fisicamente.net/MEMORIA/index-612.htmanpigrosseto.wordpress.com/2012/02/10/trieste-un-percorso-tra-le-violenze-del-900