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Saint-Martin-de-Vésubie

Region Provence-Alpes-Cote d'Azur, Departement Alpes-Maritimes

Gedenktafel in Saint-MartinGedenktafel am Col de Fenestre (© Adriana Muncinelli)Der Ort
Städtchen, ca. 1.300 Einwohner/innen, im Hinterland von Nizza. Anfahrt: D 2202 Nice →Digne bis Plan-du-Var (22 km), dann D 2565 →Gorges de la Vésubie bis St. Martin (35 km).

Die Ereignisse
Vichy wies ausländischen Juden ab 1941 Wohnorte als Zwangsaufenthalt zu. In Saint-Martin-de-Vésubie wohnten 1943 ca. 1.200 Juden, nicht verfolgt von der italienischen Besatzung. Ab 8.9.1943, dem Tag der deutschen Besetzung, flüchteten etwa 1.000 Juden über zwei Alpenpässe nach Italien. Die SS fing 350 ab; sie wurden über Borgo San Dalmazzo (I), Nizza und Drancy nach Auschwitz deportiert; weitere 150 wurden bei einer Razzia in Saint-Martin gefangen und deportiert.

Gedenken
Gedenktafeln im Ort und auf der Fenestre-Passhöhe erinnern an den „biblischen Exodus“. Um den 9. September gibt es Gedenk-Wanderungen auf den historischen Wegen, 2012 zum Col de Cerisé.

Literatur/Medien
Klarsfeld, Serge: Vichy–Auschwitz, Nördlingen 1989, S. 276ff., 279.
www.ajpn.org/commune-Saint-Martin-Vesubie-6127.html
http://184.173.197.201/~sefarad/lm/064/html/page9.html

Schilderung von Serge Klarsfeld:
„Mehrere hundert Juden, sie sich in Saint-Martin-de-Vésubie in den Nizzaer Alpen aufhalten, machen den Versuch, zu Fuß den örtlichen italienischen Truppen nach Italien zu folgen: zwischen dem 8. und dem 13. September brechen sie ungeordnet und in unregelmäßigem Abstand auf und benutzen zwei Wege. Frauen, Kinder und Alte brauchen zwei bis drei Tage, um nach Italien zu gelangen, entweder über den Fenestre-Pass (2471 m), der sie in das Dörfchen Entracque oberhalb der italienischen Grenze führt, oder über den Cerisé-Pass (2453 m), der sie in die Ortschaft Valdieri bringt. Die Solidarität der Stärkeren für die Schwächeren ermöglicht es den Teilnehmern dieses „biblischen Exodus“, Kälte, Regen, die Schwierigkeiten eines Gebirgsmarsches und den Mangel an Nahrungsmitteln zu überwinden. Am 18. September fängt die SS 349 von ihnen ab und interniert sie in Borgo San Dalmazzo. Fast alle werden am 21. November über Savona nach Nizza überstellt und anschließend nach Drancy gebracht, wie die zahlreichen Opfer der Razzien Brunners in Nizza...“
(Klarsfeld, Serge: Vichy–Auschwitz ..., Nördlingen 1989, S. 279).

Text der Gedenktafel in Saint-Martin-de-Vésubie
(aufgestellt von der italienischen Organisation „La memoria degli Alpi“)
„Hier verlebten ungefähr 1000 Juden, Männer, Frauen, Kinder, Greise, unterstützt von jüdischen Organisationen und geschützt von der italienischen Besatzungsarmee eine Atempause bis zum 8. September 1943. An diesem Tag brach der Rassenhass der deutschen Besatzer los.

Nach Überqueren der Berge in einem biblischen Exodus wurden 350 von der SS aufgegriffen und in Borgo San Dalmazzo interniert.Von der Gestapo nach Nizza und Drancy gebracht, wurden sie in das Todeslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo fast alle ermordet wurden.
Erinnern wir uns an die unschuldigen Opfer, die Grausamkeit ihrer Henker, aber auch an die Menschlichkeit derer, die sie zu retten versuchten.
Gemeinde Saint-Martin-de-Vésubie
Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs
Generalrat des Departements Alpes-Maritimes
Rat der jüdischen Gemeinden der Region“

Text der Gedenktafel am Col Fenestre/Colle de Fenestre
„Im September 1943 versuchten hunderte von Juden aus ganz Europa, häufig vergeblich, sich über diesen Pass vor der antisemitischen Verfolgung zu retten. Du, der Du Dich frei bewegen kannst, bedenke, dass das geschehen ist, immer wenn Du toleriert hast, dass jemand anderes nicht die gleichen Rechte wie Du hatte“