Region Piemont / Provinz Cuneo

Die Provinzhauptstadt Cuneo ist von Turin aus in Richtung Süden auf der A 6 in Richtung Savona bis zur Abzweigung Cuneo, dann weiter auf der A 3 nach ca. 90 km zu erreichen.
Gedenktafel für Duccio Galimberti
                                             
Die Ereignisse
Nach dem Kriegsaustitt Italiens am 8. September 1943 gelangten große Teile der sich auflösenden IV. italienischen Armee aus dem italienisch besetzten Teil Südfrankreichs in die das südliche Piemont. Sie sahen sich wenige Tage später der nach Cuneo einrückenden SS-Leibstandarte Adolf Hitler unter dem Kommando von Major Joachim Peiper gegenüber (Boves). Die Provinz Cuneo wurde durch das Überwechseln vieler Armeeangehöriger in die Reihen der Resistenza zur Geburtsregion des bewaffneten Widerstandes gegen die deutsche Besatzung.

 Gedenkorte


Museo Casa GalimbertiPiazza Galimberti
Die zentrale Piazza von Cuneo ist nach dem Koordinator der Resistenza in der Region, dem Rechtsanwalt Tancredi „Duccio“ Galimberti, benannt. Er war der Kopf der Widerstandsgruppe „Giustizia e Libertà“ (antifaschistische Parteien) im Piemont. Seine Anwaltskanzlei war bis zu seiner Verhaftung und Ermordung im Dezember 1944 das Planungszentrum der Resistenza im südlichen Piemont. Im ehemaligen Haus der Familie  ist dem Widerstandskämpfer das Museo Casa Galimberti gewidmet. (Palazzo Osasco, Piazza Galimberti 6, Tel. 0171.693344; museo.galimberti@comune.cuneo.it; www.comune.cuneo.gov.it/cultura/galimberti.html)

Rathaus
Im Rathaus der Stadt ist auf einer großen Tafel noch heute die Antwort eines Vertreters der Resistenza, Piero Calamandrei, an Generalfeldmarschall Kesselring zu lesen, der nach seiner Verurteilung wegen Kriegsverbrechen 1947 und nach seiner vorzeitigen Entlassung 1952 die zynische Bemerkung gemacht hatte, die Italiener hätten ihm eigentlich aus Dankbarkeit ein Denkmal errichten müssen, schließlich habe er Befehle wie denjenigen Hitlers zur Evakuierung von Rom missachtet und vielen Italienern das Leben gerettet. Piero Calamandrei, Angehöriger der Resistenza, Professor der Rechte an der Universität Florenz und nach 1945 Parlamentsabgeordneter, antwortete ihm mit einem in ganz Italien berühmt gewordenen Gedicht, das auf einer großen Tafel im Rathaus von Cuneo zu lesen ist:

Gedicht von Piero Calamandrei an KesselringDu kannst Dein Denkmal haben, Kamerad Kesselring,
das Du von uns Italienern erwartest.
Aus welchem Stein es bestehen wird,
entscheiden aber wir:
Nicht aus den rauchgeschwärzten Mauersteinen
unserer wehrlosen, von Deinem Vernichtungswillen
verwüsteten Dörfer,
auch nicht aus der Erde unserer Friedhöfe,
auf denen unsere jungen Kampfgefährten in Frieden ruhen.
Nicht aus dem reinen Schnee unserer Berge,
die Dir zwei Winter lang widerstanden haben,
nicht aus dem Frühling der Täler,
aus denen du dich davon gemacht hast.
Das Denkmal wird bestehen
Aus dem Schweigen der Gefolterten,
das härter als Granit war,
aus dem freiwillig geschlossenen,
felsenfesten Pakt freier Menschen,
die sich nicht aus Hass, sondern
zur Wahrung ihrer Würde und
zu ihrer Befreiung verbunden haben,
um Schande und Schrecken vom
Antlitz der Welt zu tilgen.
Solltest Du auf diesen Straßen zurückkehren wollen,
wirst Du uns alle in unseren Dörfern auf dem Posten finden:
Tote und Lebende mit der gleichen Verpflichtung
Vereint um das Denkmal, dessen Namen lautet:
Ora e sempre resistenza – Heute und immer: Widerstand 

Ebenfalls im Rathaus der Stadt ehrt eine Tafel die aus Cuneo in die Vernichtungslager deportierten jüdischen Mitbürger.

Parco della Resistenza 

Parco della Resistanza (Foto: Bade)Ein Denkmal für die Resistenza 1943–1945 findet man im Parco della Resistenza (Viale Angeli) mit einem Monument und in den Boden eingelassenen Tafeln.

Gedenken an Paola Garelli
Anfang Juni 2015 wurde die Grundschule am Corso Soleri 1 nach der 28-jährigen Paola Garelli benannt, die in Savona wegen ihrer Verbindung zur antifaschistischen Frauenorganisation „Gruppo di Difesa della Donna“ am 1. November 1944 ohne vorherigen Prozess am Forte Priamar hingerichtet wurde.

Adresse:
Im ehemaligen Gebäude der faschistischen Partei, Largo Barale 11 (Via XX Settembre / Via XXVIII Aprile), befindet sich das Istituto Storico della Resistenza e della Società contemporanea in provincia di Cuneo Dante Livio Bianco, das umfangreiche Literatur und Materialien zur Geschichte der Resistenza, zu den Gedenkorten der Region und zu den Wanderwegen „I sentieri della libertá“ im Rahmen des Projektes „La memoria delle Alpi“ bietet (Tel. 0171444830; E-Mail Istitutoresistenzacuneo@pcert.postecert.it; www.istitutoresistenzacuneo.it).


Literatur / Medien:
Bade, Sabine und Mikuteit, Wolfram: Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Manviso. Ein Wanderlesebuch. Konstanz 2012; Silvia Bono, Sandra Viada: Cuneo in guerra. Cuneo 2006; Dizionario della Resistenza (2006); Guerra di liberazione, 1943–1945 : i caduti partigiani della provincia di Cuneo / a cura di Guido Argenta. - Cuneo 1989; www.comune.cuneo.gov.it/cultura/galimberti.html