Einführung

(Karte von Sizilien: Wikipedia)Die Kapitulation der deutschen und italienischen Truppen in Nordafrika im Mai 1943, bei der 250.000 deutsche und italienische Soldaten in Gefangenschaft gerieten, war faktisch der Auftakt für die wenig später folgende Landung der alliierten Truppen auf Sizilien und auf dem italienischen Festland. Innenpoltisch verstärkte sich durch diese Niederlagen die Krise des Mussolini-Regimes (italienischer Faschismus), die schließlich am 25.Juli 1943 zur Entmachtung des „Duce“ durch den faschistischen Großrat und zur Ernennung Marschall Badoglios zum Regierungschef durch den italienischen König führte. Die neue Regierung bekräftigte zwar in Worten ihre Bündnistreue gegenüber Berlin, begann jedoch geheime Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit den Alliierten. Parallel dazu übernahmen die deutschen Truppen die militärische Kontrolle über Süditalien und – bis zum Rückzug auf das Festland in der zweiten Augusthälfte – auch über Sizilien: Dort begann jedoch die Bevölkerung Widerstand zu leisten, dem die zur Besatzungsarmee gewordene Wehrmacht noch vor dem Kriegsaustritt Italiens am 8. September 1943 erste Beispiele ihrer Brutalität entgegensetzte: so verübten am 12. August 1943 Angehörige der Grenadier-Division „Hermann Göring“ ein Massaker an den Bewohnern der kleinen Ortschaft Castiglione di Sicilia, bei dem 16 Menschen getötet und 20 verwundet wurden – wahrscheinlich aus Rache für einen Zwischenfall in einem Nachbardorf, der keine Todesopfer gefordert hatte, und im Zusammenhang mit einem vorangegangenen, gegen die Besatzer gerichteten Aufstand in Mascalucia und Pedara am Fuße des Ätna.
Mit der am 8. September 1943 bekannt gegebenen Kapitulation der italienischen Truppen, die gleichbedeutend mit dem Kriegsaustritt Italiens war, begann für die Dauer von eineinhalb Jahren eine politisch-militärische Dreiteilung Italiens. König Vittorio Emanuele III. und die Regierung Badoglio verließen am 9. September fluchtartig die Hauptstadt Rom und fanden Schutz in Brindisi, im Süden des Landes, der von den an Land gegangenen alliierten Truppen gesichert war. Die Nordgrenze des befreiten Süditalien lag bis Mai1944 ungefähr an der Grenze zwischen den Regionen Kampanien und Latium, auf der Höhe von Gaeta. Die deutsche Wehrmacht verfolgte eine Strategie des gestaffelten, verzögerten Rückzugs und versuchte, vor jedem weiteren Rückzugsschritt eine möglichst vollständige Zerstörung aller kriegs- und verkehrstechnisch relevanten Einrichtungen, außerdem die Demontage und den Abtransport aller wertvollen Güter zu bewerkstelligen und damit den Vormarsch der alliierten Truppen durch die Praxis der „verbrannten Erde“ so lang wie möglich zu behindern (Verbrecherische Befehle, wirtschaftliche Ausbeutung). Die Alliierten, obwohl militärtechnisch überlegen, konnten deshalb tatsächlich erst im Mai 1944 die deutsche Verteidigungslinie in Mittelitalien (Gustavlinie; Cassino/Monte Cassino) überwinden und im Juni bis nach Rom vorstoßen.
Schon die ersten Wochen während der Periode des hinhaltenden Rückzugs der Wehrmacht aus Süditalien wurden von Kriegsverbrechen geprägt, wie sie zum Kennzeichen der deutschen Kriegführung in Italien bis zur Kapitulation am 2. Mai 1945 werden sollten. Exemplarisch hierfür sind einmal die Ereignisse im September 1943 in der Hafenstadt Neapel, die für die Zerstörungswut der deutschen Truppen wie für den opferreichen Widerstand der Bevölkerung Zeugnis ablegen, zum anderen das Massaker in der kleinen Stadt Caiazzo, 40 Kilometer nördlich von Neapel, bei dem am 13. Oktober 1943 ganze Familien ausgelöscht wurden.

Literatur / Medien:
Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung. Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Saló 1943–1945, Tübingen 1993, S. 52 ff; Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945. München- Zürich 1995, S. 30 ff, 57 ff.; Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien, München 1996, S. 56; Baris, Tommaso: Tra due fuochi. Esperienza e memoria della guerra lungo la linie Gustav, Roma-Bari 2003; www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/vormarschitalien/index.htmlde.wikipedia.org/wiki/Castiglione_di_Sicilia; sicilia.anpi.it/2012/09/06/la-resistenza-italiana-in-sicilia-i-martiri-e-gli-eroi-di-mascalucia-e-pedara; www.resistenza.de/index.php/kriegsverbrechen/spaete-prozesswelle/132-urteil-im-kriegsverbrecherprozess-verona; www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/43-03.htm; de.wikipedia.org/wiki/Sizilien (Karte)

Gedenkorte in Süditalien:

Caiazzo
Neapel

(wird weiter ergänzt)