Während der deutschen Besatzungszeit von September 1943 bis Mai 1945 wurden massenhafte und gezielte Deportationen zur Methode der zwangsweisen Arbeitskräftebeschaffung.

Unmittelbar nach dem 8. September 1943 (Kriegsaustritt und Besetzung Italiens) wurden ungefähr 600.000 entwaffnete Armeeangehörige zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt (Militärinternierte). Von ihnen sind schätzungsweise 40.000 bis 50.000 an Hunger, Krankheit, an arbeitsbedingter Erschöpfung oder durch Mordaktionen umgekommen. Organisation und Durchführung der Deportationen lag bei der deutschen Besatzungsverwaltung (SS, SD), erfolgte aber in der Regel mit Hilfe der personellen und organisatorischen Infrastruktur, vor allem der Polizei des italienischen Salò-Regimes.

In den Küstenzonen, in denen Landungen alliierter Truppen erwartet wurden oder stattfanden, und in Kampfgebieten wurden die zivilen Bewohner ganzer Regionen evakuiert und zum Schanzenbau und anderen militärisch bedingten Arbeiten gezwungen. Die Bekämpfung des wachsenden Partisanenwiderstandes hatte neben dem militärischen Ziel auch den Zweck, möglichst viele Gefangene zu machen, die zur Zwangsarbeit meist in das Reichsgebiet verschleppt wurden. Deportation in deutsche Lager war auch eine Antwort auf unmittelbar politischen Widerstand z. B. durch Streikaktionen (Streik und Widerstand). Mit Hilfe der Androhung von Deportationen und mit deren tatsächlicher Durchführung sollte der Flucht ganzer vom Saló-Regime zum Wehr- und Arbeitsdienst einberufener Jahrgänge begegnet werden. Schließlich wurden viele aus der Zivilbevölkerung Opfer von Deportationen, weil sie als Sympathisanten des Widerstandes verdächtigt wurden. Ein hoher Prozentsatz der zur Zwangsarbeit nach Deutschland Deportierten ist den Entbehrungen in Arbeits- und Konzentrationslagern erlegen: sie wurden direkt oder indirekt durch Arbeit vernichtet. Die Zahl der aus politischen Gründen Deportierten wird auf ca. 30.000 geschätzt. Hauptzielorte waren die Konzentrationslager Dachau, Mauthausen, Buchenwald, Mittelbau-Dora, Ravensbrück und Flossenbürg.

Die von der deutschen Besatzung veranlasste und organisierte Deportation der italienischen Juden, von der zwischen 7000 und 8000 Menschen erfasst wurden, hatte von vornherein das Ziel der  Vernichtung (Judenverfolgung in Italien). Stationen auf dem Weg in die deutschen Todeslager waren die Sammellager Fossoli (bei Carpi), Risiera d San Sabba (in Triest), auch Borgo San Dalmazzo (bei Cuneo) und Bozen-Gries (Südtirol).

Adressen:
La Fondazione Memoria della Deportazione, Milano, via Dogana 3; segreteria@fondazionememoria.it; Tel. +39 02 87383240; ANED - Associazione nazionale ex deportati nei campi nazisti, Milano, via San Marco 49, cap 20121. Telefono 02-76006449, aned.it@agora.it; www.deportati.it/default.html

Literatur:
Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung (Hg.). Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Saló 1943 – 1945. Tübingen 1993, S. 489 ff.; Fondazione Museo e Centro di Documentatione della Deportatzione e Resistenza: Luoghi della Memoria Toscana. Ausstellungskatalog, Deutsche Ausgabe. Prato 2010; Felsen, Doris / Frenkel, Viviana, Die italienischen Deportationen 1943-45, in: Plato, Alexander von / Leh, Almut / Thonfeld, Christoph (Hrsg.), Hitlers Sklaven. Lebensgeschichtliche Analysen zur Zwangsarbeit im internationalen Vergleich, Wien 2008, S. 285-297; www.zwangsarbeit-archiv.de/sammlung/teilsammlungen/italien-luce-rom/index.html