„Resistenza“ ist Begriff und Überschrift für den antifaschistischen Widerstand in Italien, für dessen Geschichte und Bewegung, für die zur Resistenza zu zählenden Organisationen und deren Politik, letztlich auch Überschrift für die Neugründung des demokratischen Italien nach der Befreiung 1945


Entwicklung
Die Opposition gegen den italienischen Faschismus war nach dessen Machtergreifung 1922 schrittweise zerschlagen, in den Untergrund und ins Exil, insbesondere nach Frankreich, gedrängt worden. Ihre Hauptströmungen bestanden aus der kommunistischen Partei und deren effizient operierenden illegalen Unterorganisationen; aus der wesentlich schwächer organisierten sozialistischen Partei und aus der kleinen radikal-liberalen, entschieden agierenden Gruppe „Gerechtigkeit und Freiheit“ (Giustizia e Libertà). Diese Richtungen vereinigten sich im Verlauf des Jahres 1943 nach ihrer begonnener Zusammenarbeit im Exil und im Untergrund zum Nationalen Befreiungskomitee (Comitato della Liberazione Nazionale – CLN), das sich am 9. September 1943 unmittelbar nach der Kapitulation und dem Kriegsaustritt Italiens vom 8. September konstituierte. Vorausgegangen war der Zusammenbruch des Mussolini-Regi
mes, das durch eine Streikwelle in den großen Industriezentren des Nordens im März, durch militärische Niederlagen (Nordafrika) und eine zunehmenden Versorgungskrise erschüttert wurde und schließlich nach der Landung der Alliierten auf Sizilien Anfang Juli 1943 innerhalb der faschistischen Partei selbst und in den Führungskreisen von Wirtschaft und Militär das Vertrauen verloren hatte. Mussolini wurde am 25. Juli vom Großrat seiner eigenen Partei gestürzt, der König ernannte mit Marschall Badoglio, der noch am Tag der Kapitulation, dem 8. September, sich mit König und Regierung nach Süditalien absetzte. Zeitgleich konstituierte sich das nationale Bündnis der Resistenza, dem im Wesentlichen die genannten politischen Strömungen der KPI, der Sozialisten und der Aktionspartei, die aus der Gruppe „Gerechtigkeit und Freiheit“ hervorgegangen war, angehörten (antifaschistische Parteien). Zum starken Koodinierungsorgan der Resistenza entwickelte sich im Jahre 1944 das Mailänder Widerstandskomitee für Oberitalien (CLNAI).

Bewaffneter Widerstand 

Den aktiven Kern des bewaffneten Widerstandes bildeten zunächst Soldaten und Offiziere, die im September 1943 der Gefangennahme durch die Wehrmacht entkommen waren und insbesondere im Apennin und in den Alpen erste Kampfgruppen bildeten. Verstärkung erhielten sie durch zahlreiche in Freiheit gekommene alliierte Kriegsgefangene aus aufgegebenen italienischen Gefangenenlagern, die bis zur Befreiung Italiens im Frühjahr 1945 unter großen Opfern in den Reihen der Resistenza kämpften. Diese anfangs unorganisiert entstandenen und verbindungslosen Gruppen erhielten durch politisch motiviert Antifaschisten, vor allem aus der kommunistischen und der Aktionspartei, zunehmend Organisationsstruktur und Koordination, sodass sich die Resistenza im Laufe des Jahres 1944 zu einer wirksamen Partisanen- und städtischen Guerillia-Bewegung entwickeln konnte.

Partisanen, GAP/SAP,  Frauenverteidigungsgruppen und Stafetten
Drei Aktionsebenen des bewaffneten Widerstands bildeten sich im Laufe der Jahre 1943/44 heraus: zunächst die meist außerhalb der Städte aktiven Partisaneneinheiten unterschiedlicher politischer Ausrichtung, die in der Regel Sabotageakte und Anschläge verübten, dann die in den Städten operierenden GAP- und SAP-Gruppen (GAP/SAP) und schließlich die für beide Kampfebenen gleichermaßen wichtigen Frauenverteidigungsgruppen (Gdd) und Stafetten, den Frauen im Widerstand und Jugendlichen, die Nachrichten, Waffen und Versorgungsmaterial zu den bewaffneten Gruppen und Brigaden brachten.

Juden in der Resistenza
Zahlreiche italienische Juden gehörten seit der Machtübernahme der Faschisten 1922 zur demokratischen antifaschistischen Opposition. Sie schlossen sich - im Exil, in der Illegalität und im Befreiungskampf 1943 bis 1945 aus den gleichen Gründen der Resistenza an wie andere Antifaschisten. Im italienischen Widerstand gab es keine getrennten jüdischen Partisaneneinheiten, die antifaschistischen Juden waren fest integrierte Kämpferinnen und Kämpfer innerhalb des gemeinsamen Widerstands. Ihre Gesamtzahl wird auf etwa 1000 geschätzt. "..., als sich ca. 200.000 Italiener den Partisanen-Brigaden angeschlossen hatten, konnten nahezu keine Juden mehr auf den Zug des Sieges aufspringen, denn sie waren längst dabei " (Longhi, S. 208).

Der Kampf der Resistenza kann als Teil ein und desselben Krieges beschrieben werden, der eine dreifache Zielrichtung hatte: die Ausrichtung als nationaler Widerstand gegen die deutschen Besatzer, als Kampf gegen die Faschisten des italienischen Marionetten-Regimes von Salò im Sinne eines Bürgerkriegs und schließlich als Kampf um die zukünftige Ordnung der italienischen Gesellschaft nach der Befreiung.

Literatur / Medien:
Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung (Hg.). Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Saló 1943 – 1945. Tübingen 1993, S. 422 ff; Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943-1945. München- Zürich 1995, S. 99 ff.; Mantelli, Brunello: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, 4. Aufl. Berlin 2008, S. 155 ff.; Prauser, Steffen: „Resistenza“ gegen Faschismus und Nationalsozialismus 1943–1945, in: Ueberschär, Gerd. R (Hg.), Mitarbeit Peter Steinkamp: Handbuch zum Widerstand gegen Nationalsozialismus und Faschismus in Europa 1933 bis 1945. Berlin 2011, S. 21 ff.; Bade, Sabine und Mikuteit, Wolfram: Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch. Konstanz 2012, S. 22 ff.; Longhi, Silvano: Die Juden und der Widerstand gegen den Faschismus (1943-1945), Berlin 2010; www.resistenza.de; resistenzatoscana.it; www.anpi.it/resistenza-e-partigiani; toscano27.wordpress.com/; it.wikipedia.org/wiki/Resistenza_italiana; de.wikipedia.org/wiki/Resistenzawww.broschuere.resistenza.de/widerstand/resistenza_drei.htm