Der damals zwanzigjährige Wolfgang Lehnigk-Emden war als Leutnant der Wehrmacht verantwortlich – wenn auch vom Vorwurf der Tötung gerichtlich freigesprochen – für „eines der grässlichsten Wegzeichen, das die breite Blutspur kenntlich macht, die deutsche Truppen bei ihrem Rückzug nach Norden hinterließen (und) den Namen Caiazzzo (trägt), eine kleine Stadt am rechten Ufer des Volturno…“ (Schreiber, S. 141). Lehnigk-Emden, später Architekt und angesehener Kommunalpolitiker der Eifelgemeinde Ochtendung und erst mehr als 50 Jahre nach dem Vorfall aus dem Jahr 1943 angeklagt, ließ am 13. Oktober 1943 zweiundzwanzig völlig unbeteiligte und unschuldige Zivilpersonen jeden Alters und Geschlechts – ganze Familien – auf schreckliche Weise erschießen, weil angeblich aus ihrem Bauernhaus an die amerikanischen Stellungen Lichtsignale gesendet worden waren. Die deutschen Gerichte – bis hin zum Bundesgerichtshof im endgültigen Urteil vom 1. März 1995 – werteten die Exekutionen als verjährten Totschlag und trotz der Grausamkeit der Tat nicht als Mord, da der damalige Leutnant davon ausgegangen sei, die erschossenen Männer hätten als Partisanen Lichtsignale an die amerikanischen Stellungen gegeben und seien deshalb entsprechend den Befehlen zur Partisanenbekämpfung zu erschießen gewesen. Nachweislich war in dem Gebiet um Caiazzo damals aber keinerlei Partisanenaktivität festzustellen. Die freisprechenden Urteile sind, abgesehen von ihrer juristischen Abenteuerlichkeit, auch Beispiele für die gerichtliche Einstufung der Mordtaten an Frauen und Kindern durch damalige deutsche Uniformträger. Anders als die deutsche Justiz entschied ein italienisches Militärgericht auf lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Mordes gegen Lehnigk-Emden.
Wolfgang Lehnigk-Emden lebt heute zurückgezogen in Ochtendung, das seit 1995 auf Anregung des Bürgermeisters von Caiazzo eine Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde unterhält.  

Literatur / Medien:
Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung.  München 1996, S. 141 ff.;
de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Caiazzo; www.zeit.de/1996/20/Die_Vergangenheit_laesst_nicht_los/seite-1;
www.zeit.de/1997/06/Zuschlag_fuer_die_Taeter