Die wirtschaftliche Ausbeutung des besetzten Italien erfolgte auf drei Ebenen:

1. Das Salò-Regime hatte hohe Besatzungskosten zu tragen.

2. Die Produktivkräfte Italiens wurden für die deutsche Kriegswirtschaft ausgebeutet. Vor allem die verarbeitende Industrie – z.B. Kraftfahrzeuge und Textilprodukte (Uniformen, Bekleidug) für die Wehrmacht – waren wichtig, außerdem hatte die Versorgung der Truppen und der Besatzungsverwaltung „aus dem Land“ zu erfolgen; zuständig für die materielle Ausbeutung war ein weit verzweigtes Dienststellennetz der Militärverwaltung, die letztlich dem Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion in Berlin unterstand. Wenn „Räumung“ von Gebieten, d.h. wenn Rückzug vor den vorrückenden Alliierten unumgänglich wurde, wurde die wirtschaftlich Nutzung zur puren Plünderung und Zerstörung.

3. Der an den verschiedenen Ostfronten des Zweiten Weltkriegs bereits praktizierte Grundsatz, bei notwendig gewordenen Rückzügen dem Gegner möglichst nur  „verbrannte Erde“ zu hinterlassen, wurde nach dem Kriegsaustritt Italiens vom 8. September 1943 unverzüglich zur Befehlslage für die deutschen Truppen in Italien. Was der eigenen Kriegführung nützlich war, wurde (ggf. mit militärischer Gewalt) requiriert und abtransportiert; ansonsten wurde so viel wie möglich zerstört, was den nach der Landung in Süditalien nach Norden vorrückenden alliierter Truppen nützen konnte. Auf Weisung Hitlers erließ die Wehrmachtsführung am 18. September 1943 den sog. „Nero-Befehl“ (der im März 1945 auch auf das Gebiet des Deutschen Reiches ausgeweitet wurde): „Bei Durchführung der befohlenen Rückzugsbewegungen ist neben den befohlenen Räumungs- und Bergungsmaßnahmen im größten Maße von Zerstörungen aller Art Gebrauch zu machen“. Die im September / Oktober 1943 von der deutschen Wehrmacht in Süditalien planmäßig vorgenommenen Zerstörungsaktionen betrafen die gesamte Infrastruktur: Brücken, Bahngleise, Lokomotiven und Waggons, Durchlässe und Tunnel, Wasserwerke und Versorgungssysteme aller Art, Fabriken, am Ende auch zivile Wohngebäude.

Mit derselben Rücksichtslosigkeit wurden Versorgungsgüter und Lebensmittel samt Pferden und Vieh, ebenso Rohstoffe und Maschinen requiriert und abtransportiert. Der Aufstand der Bevölkerung Neapels Ende September 1943 richtete sich nicht zuletzt gegen diese Praxis der planvollen Zerstörung. Ein Befehl vom 19. September 1943 lautete u.a.: „...Das Land muss in den kommenden 14  Tagen … leer gefressen sein...“. Ende Oktober 1943 bilanzierte Kesselring als Oberbefehlshaber in Süditalien: "Gesprengt wurden 12 210 m Brücken, 1 930 m Durchlässe, 6 565 m Tunnel, 668 700 m Bahngleise, dazu aufgerissen 11 300 m Bahngeleise, außerdem zerstört 77 Lokomotiven, 2 034 Waggons." (Andrae, S. 60) "Bis Oktober 1944 sind italienische Wirtschaftsgüter im Gewicht von insgesamt 1 150 000 Tonnen ins Reich abtransportiert. (Davon wird eine halbe Million Tonnen durch die Schweiz befördert, deren Regierung aus Furcht, die Deutschen könnten einmarschieren, bei der Ausraubung Italiens ... bereitwiillig hilft ...)". (Kuby, S. 454)

Zerstörung und wirtschaftliche Ausbeutung des besetzten Italien hatten eine doppelte Zielsetzung: Militärisch sollte der Vormarsch der  Alliierten möglichst lange behindert werden; dies gelang mit der 1943/44 zunächst wirksamen Strategie des gestaffelten Rückzugs. Außerdem sollte der schrittweise Rückzug, verbunden jeweils mit der Zerstörung der Infrastruktur, die kriegswirtschaftliche Ausbeutung des Landes sicherstellen. Erst der weitere Vormarsch der Alliierten im Frühjahr 1944 und der Zusammenbruch der deutschen Gustav-Linie im Mai 1944 führten zum „Verlust“ Mittelitaliens und beendeten dessen wirtschaftliche Ausbeutung. Bis zum Kriegsende Anfang Mai 1945 blieben die systematische Ausnutzung der Industrie und Landwirtschaft Norditaliens und der massenhafte Einsatz von Zwangsarbeitern Ziel und Praxis während der deutschen Besatzung, die bis in die letzten Kriegstage mit Terror gegenüber der Zivilbevölkerung und mit brutaler Bekämpfung des Widerstandes verbunden war.

Literatur / Medien:
Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943-1945, München-Zürich 1995, S. 57 ff.; Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung (Hg.): Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Saló 1943 – 1945, Tübingen 1993, S. 52 ff., 239 ff.; Kuby, Erich: Verrat auf deutsch. Wie das dritte Reich Italien ruinierte, Hamburg 1982, S. 447 ff.; Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien Italien und Ungarn (1941-1945). Dokumentenauswahl und Einleitung von Martin Seckendorf (Band 6 der Dokumentenedition „Europa unterm Hakenkreuz“, Hg. Bundesarchiv), Berlin-Heidelberg 1992, insbes. S. 86 ff.