Theo Saevecke wurde am 22. März in Hamburg geboren, wurde bereits 1929 Mitglied der NSDAP, später SS-Hauptsturmbannführer. Im September 1939 war Saevecke als Mitglied der Einsatzgruppe VI an der Ermordung von Polen und Juden beteiligt, 1941 wurde Saevecke in das Reichssicherheitshauptamt versetzt. 1942 war er unter seinem Vorgesetzten Walter Rauff Leiter des SS-Einsatzkommandos in Nordafrika (Libyen und Tunesien), wo er die Errichtung von Zwangsarbeitslagern und die Aktion zur Enteignung der tunesischen Juden organisierte. Aus Sicht seines späteren Vorgesetzten Karl Wolff hatte Saevecke „mit großem Erfolg die Judenfrage im tunesischen Raum bearbeitet“ (Schenk, S. 268).
Nach der Besetzung Italiens wurde er Gestapo-Chef in Mailand und machte sich als „Henker von Mailand“ von seinem Dienstsitz, dem Hotel Regina, aus einen gefürchteten Namen: er verfolgte Widerstandskämpfer in Mailand und in der Lombardei mit aller Brutalität und war für die Deportation von mindestens 700 italienischen Juden in die Vernichtungslager verantwortlich. Am 10. August 1944 ließ er nach einem Anschlag auf einen Militär-Lkw zur Vergeltung fünfzehn gefangene Partisanen, die er selbst ausgesucht hatte, von einem Kommando der italienischen Miliz auf dem Mailänder Loreto-Platz hinrichten. Ebenfalls im August 1944 ließ Saevecke in Corbetta nach dem Mord an einem SS-Mitglied acht Bewohner als Geiseln erschießen und ihre Häuser niederbrennen. Saevecke habe sich, so Wolff im März 1944, „besonders in der Bandenbekämpfung in der Lombardei hervorgetan und bei fast allen Einsätzen in vorderster Linie im Kampf gegen die Partisanen gelegen. Seiner Einsatzfreudigkeit und Entschlusskraft ist es zu danken, daß die Bandenlage in der Lombardei auf ein möglichstes Mindestmaß herabgedrückt worden ist.“ (Schenk, S. 268)

Nach seiner Internierung 1945–48 in Dachau wurde Saevecke Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA, danach übte er leitende Funktionen im Bundeskriminalamt (BKA) aus und trat – jahrelang geschützt von Ministern, unbehelligt von deutschen Gerichtsverfahren, nachdem alle Ermittlungen gegen ihn eingestellt worden waren – 1971 in der Ruhestand. Nach dem Fund im Schrank der Schande wurde Saevacke 1999 wegen der Mailänder Geiselerschießung vom August 1944 in Turin in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Saevecke starb im Jahr 2000.

Literatur / Medien:
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich - Wer war was vor und nach 1945, Frankfurt am Main 2003; Baumann, Imanuel, Herbert Reinke, Andrej Stephan, Patrick Wagner: Schatten der Vergangenheit. Das BKA und seine Gründungsgeneration in der frühen Bundesrepublik. Hrsg. vom Bundeskriminalamt, Kriminalistisches Institut, Köln 2011; Schenk, Dieter: Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA, Köln 2001; de.wikipedia.org/wiki/Theo_Saevecke; www.spiegel.de/spiegel/print/d-45143762.html