Łanćut
Woiwodschaft Karpatenvorland / poln.: woiwod. Podkarpatie
Der Ort
Die Stadt im Südosten Polens erhielt die Stadtrechte im 14. Jahrhundert. Der Name geht – nach verschiedenen Quellen - auf Siedler aus Landshut in Bayern oder auf Landeshut in (Nieder-)Schlesien zurück, das als Kamienna Gora seit 1945 zu Polen gehört.
Bis 1945 war Lanćut eine Gemeinde in der polnischen Vorkriegs-Woiwodschaft Lwow (dt.: Lemberg); der größte Teil der Woiwodschaft wurde 1945 wieder Teil der Sowjetunion/Ukraine: Lanćut blieb wie die Großstadt Rzeszow polnisch.
Das Schloss
Das Renaissance-Schloss ließ sich Anfang des 17. Jahrhunderts der Magnat S. Lubomirski als - befestigte - Residenz bauen. Die Familie war u.a. durch Handel mit Salz zu Reichtum und politischem Einfluss in der polnisch-litauischen Adelsrepublik und Wahlmonarchie gekommen (zur privilegierten Stellung des Adels vgl. Sachstichwort Szlachta).
Schloss und Anwesen sowie ein Park im „englischen Stil“ waren u.a. der Besitz der Familien Pilecki, Lubomirski und zuletzt der Familie Potocki. Der letzte Besitzer von Schloss Łańcut, Alfred Antoni Potocki (1886 – 1958), trug u.a. eine große Kunstsammlung zusammen. Kurz vor der Ankunft der Roten Armee im Jahr 1944 konnte er einen Teil seiner wertvollen Habe in den Westen bringen.
Synagoge
Die Synagoge wurde 1761 fertiggestellt, im Zweiten Weltkrieg von deutschen Besatzern im hinteren, z.T. mit Holz angebauten Bereich angezündet, aber rasch von der Bevölkerung gelöscht und wieder aufgebaut – auch dank der Unterstützung von Bediensteten von Graf Potocki.
Heute beherbergt sie eine öffentliche Bibliothek. Die Synagoge ist im Inneren reich ausgemalt, u.a. mit einer Darstellung von 'Adam und Eva im Paradies'- neben der Bima (erhöhte Plattform, u.a. zum Lesen aus der Thora).
Łańcut unter deutscher Besatzung
Die Stadt hatte 8700 EinwohnerInnen, 2753 waren jüdisch, einige arbeiteten in der Verwaltung und den Betrieben des Schlosses. Die Stadt wurde am 9.9.1939 von der Reichswehr besetzt. Die Synagoge wurde am rückwärtigen Teil angezündet, das Feuer konnte schnell gelöscht und die Synagoge bald wieder aufgebaut und saniert werden.
Ein Judenrat wurde von den Besatzern gebildet: 'Aufgaben' waren u.a.: Schnee räumen, Straßen reinigen, Juden zur Zwangsarbeit einteilen, jüdische Vertriebene aus Westpolen unterbringen.
Die Besatzer beschränkten ihre Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten, schlossen sie aus Handel und Industrie aus, 15 jüdische Geschäfte, zwei Fabriken und 45 von 50 Handwerksbetrieben wurden geschlossen, der 'jüdische' Besitz registriert.und den Besatzern „übergeben“. Am 22.6.1941 (deutscher Überfall auf die Sowjetunion) hofften vertriebene Juden kurzzeitig auf Rückkehr – trotz Verbot. Für die Rückkehrer „interessierte“ sich die Gestapo, verhaftete 24 und erschoss sie auf dem jüdischen Friedhof.
Ausweisung der Juden aus Łanćut
1.8.1942 wurden alle Jüdinnen und Juden ausgewiesen - „für Arbeit im Osten“. Sie sollten so viel Habe wie möglich mitnehmen. Manche versuchten, Verstecke im Wald zu schaffen.
3.8.1942 alle Juden wurden „unter Polizeischutz“ nach Pelkinia (14 km) gebracht, unterwegs teilweise beraubt. Pelkinia war ein 'Transit-Lager' für die Juden aus dem Jaroslaw-Distrikt. Etwa 5000 Juden, Alte und Kranke, Kinder wurden getrennt von ihren Eltern – und dann im Wald erschossen, ihre Leichen mit Kalk bestreut und begraben
Das Ende der Juden von Łanćut
Im September 1942 lebten nur noch 50 Juden 'legal' in Lanćut; am 17.9.1942 wurden sie in das Sieniawa-“Arbeitslager“ gebracht und ermordet. Die Wehrmacht war im Juni 1941 während des Überfalls auf die Sowjetunion 1941 in diese Stadt „eingerückt“. Die Deutschen richteten ein Ghetto ein, in dem bis 1942 etwa 3000 Juden ermordet wurden; die Verbliebenen wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert und getötet.
Wegen der ständigen Morde der Nazis nahm die Zahl der Juden immer mehr ab. Im Juni 1942 waren noch 2800 Juden am Leben, Ende Oktober 1300; im November wurden Juden auf dem Friedhof erschossen und eine kleine Gruppe in ein KZ deportiert. Im Frühjahr 1944 wurden über 1100 Gräber im Rahmen der 'Aktion 1005 geöffnet und die Leichname 'bestattet'.
Literatur/Medien
https://www.morasha.com.br/en/diaspora-communities/an-era-gone-lancut-synagogue.html
jewishgen.org/yizkor/Lancut/lane034.html
