Markowa
Woiwod. Karpatenvorland/Woiwod. Podkarpacie
Der Ort
Das Dorf, etwa 10 km südöstlich von Łańcut, hatte 2023 etwa 6300 EinwohnerInnen; 1910 etwa 4510 EinwohnerInnen. Das Dorf wurde im Spätmittelalter von Deutschen (sog. 'Walddeutsche') besiedelt; einige Deutschsprachige hielten sich bis in das 17. Jahrhundert.
Jozef Ulma, geb.1900 und seine Frau Wiktoria Ulma waren Bauern. Er war außerdem Imker, züchtete Seidenraupen und fotografierte, Bewohner/innen suchten Rat bei ihm. Seit 1942 hatten die deutschen Besatzer die Verfolgung der Juden intensiviert.
August 1942: Deportationen, Morde - und Suche nach Rettung
In der Woiwodschaft wurden zunehmend jüdische Menschen in Ghettos und 'Arbeitslager' gezwungen, fast alle jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Markowa und aus dem nahen Łanćut waren Anfang August 1942 in das 15 km entfernte 'Lager' Pelkinia getrieben und dort ermordet worden.
Noch unbehelligt wohnte die Familie Ulma in ihrem Haus am Dorfrand. Wie andere Bewohner/innen Markowas, hatten die Ulmas die Vertreibung und Tötung der Juden von Lanćut und ihres kleinen Städtchens im Sommer 1942 miterlebt. Die Juden wurden aus ihren Häusern herausgeholt, erschossen und auf dem ehemaligen Tierfriedhof begraben. Manchen gelang es, zu fliehen.
Im Herbst 1942 kam eine jüdische Familie aus dem nahen Łańcut nach Markowa, um einen Unterschlupf zu suchen. Józef und Wiktoria Ulma willigten ein und nahmen die jüdische Familie Chaim Goldman: Vater und Mutter, vier Söhne, zwei Töchter und eine Enkelin, in ihrem Haus auf; sie halfen im Obstgarten, die Männer halfen u.a.Tierfelle zu gerben.
Mord an den Familien Ulma und Goldman
Am 24.3.1944 fuhren frühmorgens deutsche Feldgendarmen und polnische Polizisten bei den Ulmas vor und begannen sofort zu schießen. Im Kugelhagel starben zuerst die Goldmans, dann die Ulmas mit ihren sechs Kindern. Der Tip war von einem - polnischen – Polizisten Wlodzimierz Leś gekommen- bei ihm hatte Familie Goldman ihre Habe hinterlassen; er wollte sich wohl ihren Besitz aneignen.
Die Goldmans wurden in einem Massengrab begraben.
Die Täter
Den Denunzianten Włodzimierz Leś hat ein Gericht der polnischen Heimatarmee im Namen der Republik Polen zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde im September 1944 in Łanćut vollstreckt.
Den Gendarmen Joseph Kokott verurteilte ein polnisches Gericht 1958, nach der Überstellung aus der Tschechoslowakei, zum Tode. Die Strafe wurde in lebenslänglich umgewandelt; er starb 1980 in einem polnischen Gefängnis.
Der Leiter des Einsatzes, Hauptmann Eilert Dieken versah nach dem Krieg den Dienst als Kriminalkommissar in Esens/Ostfriesland. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet - doch ohne Ergebnis; Dieken starb, ohne jemals gerichtlich belangt zu werden (http://www.radiodienst.pl/das-schicksal-der-familie-ulma).
Museum polnischer Judenretter in Markowa
Am 17. März 2016, kurz vor dem Jahrestag des Massakers, eröffnete Polens Präsident Andrzej Duda das 'Museum polnischer Judenretter – Familie Ulma Museum' - in Markowa.
Er sagte u.a., dass die polnischen 'Judenretter und Retterinnen' – in Absprache mit der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, die Vater und Mutter Ulma am 13.9.1995 als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt hatte - und dem POLIN-Museum in Warschau - an den Orten der Rettung und den Namen der Retter*innen erfolge.
Am 10.9.2023 wurden Jozef und Wiktoria Ulma und ihre Kinder vom Papst selig gesprochen.
Das Museum
Das neben einer Obstwiese errichtete Museumsgebäude knüpft an den Beruf von Jozef Ulma an und andererseits an den „Garten der Gerechten“ in der Gedenkstätte für Judenretter in Yad Vashem in Jerusalem (Israel). Im Innern des Gebäudes ist eine Ausstellung über Leben und Schicksale der ostpolnischen Landbevölkerung unter der NS-Terrorherrschaft, der Rettung von bedrohten Mitmenschen - bes. durch die Familie Ulma - und der geretteten jüdischen Menschen.
Das Museum gedenkt aller Polen und Polinnen, die von den Deutschen zur Vernichtung verurteilt waren. Es wurde nach Markowas Ulma-Familie (Jozef Ulma, seine Frau Wiktoria und ihre sieben Kinder) benannt, die am 24. März 1944 von deutschen Gendarmen ermordet wurden, zusammen mit acht Juden, die sie beherbergt hatten. Der 24. März ist seitdem in Polen der „Nationale Gedenktag für die polnischen Judenretter“.
Anderen polnischen Markowa-Einwohnern gelang es, weitere Juden zu retten.
The Ulma Family Museum of Poles Saving Jews in World War II / Muzeum Polaków Ratujących Żydów podczas II wojny światowej im. Rodziny Ulmów w Markowej
Adresse: 37-120 Markowa 1487;
Koordinaten: @ 50.02333, 22.31923;
Telefon: +48 17 224 10 15;
E-Mail: [email protected]
https://muzeumulmow.pl/en/
Literatur/Medien
https://www.bpb.de/themen/europa/polen-analysen/293395/dokumentation-die-rede-des-praesidenten-andrzej-duda-zur-eroeffnung-des-museums-fuer-die-polen-die-waehrend-des-zweiten-weltkrieges-juden-gerettet-haben-museum-fuer-die-familie-ulma-in-markowa-17-maerz-2016/
https://www.bpb.de/themen/europa/polen-analysen/293394/dokumentation-texte-der-internetseite-des-museums-fuer-die-polen-die-waehrend-des-zweiten-weltkrieges-juden-gerettet-haben-museum-fuer-die-familie-ulma-markowa-polen
https://zeitgeschichte-online.de/geschichtskultur/lokales-holocaust-museum-oder-nationalistische-geschichtsfaelschung
https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/judenretter-in-den-karpaten/
Gabriele Lesser: https://taz.de/Umgang-mit-NS-Zeit-in-Polen/!5956565/
https://laender-analysen.de/polen-analysen/240/ein-museum-des-einvernehmens-und-der-oeffentlichen-diplomatie-das-museum-fuer-die-polen-die-waehrend-des-zweiten-weltkrieges/
https://www.mdr.de/heute-im-osten/ulma-museum-100.html
https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B3zef_und_Wiktoria_Ulma
https://en.wikipedia.org/wiki/Markowa_Ulma-Family_Museum_of_Poles_Who_Saved_Jews_in_World_War_II
Szpytma, Mateusz, The Righteous and the Merciful. The Rescue of Jews by the Poles and the Tragic Consequences for Ulma Family from Markowa, Warsaw 2023, 2nd ed., 152 pp.
