Helmut RaucaHelmut Rauca, geboren am 3. November 1908 in Trieb/Vogtland, wechselte 1928 nach einer Ausbildung als kaufmännischer Angestellter in den sächsischen Polizeidienst. 1931 trat er der NSDAP, 1936 der SS bei und wurde 1938/1939 zur Sicherheitspolizei versetzt. Bis zu seinem Einsatz in Litauen, hatte er sich – nach Stationen in Prag und Westpreußen – zum SS-Hauptscharführer hochgedient. Mit dem Einsatzkommando 3 unter dem Befehl von Karl Jäger kam er am 2. Juli 1941 nach Kaunas. Als Gestapo-Beauftragter für jüdische Angelegenheiten, der in dieser Funktion mit Fritz Jordan als dem Beauftragten des Stadtkommissariats zusammenarbeitete, war Rauca an allen großen Mordaktionen im Ghetto von Kaunas beteiligt, verantwortlich vor allem für die Selektionen und Morde in den Forts. Unter den Verfolgten galt Rauca als „Schlächter des Ghettos“. Außerdem war er als Stellvertreter von Obersturmführer Joachim Hamann festes Mitglied in dessen Rollkommando, das von Ende Juni bis Anfang Oktober 1941 mit Hilfe litauischer Kollaborateure fast die gesamte jüdische Bevölkerung der litauischen Landgemeinden ermordete.

1945 wurde Rauca nach kurzer Gefangenschaft in einem Speziallager für ehemalige SS- und Gestapo-Offiziere in Ziegenhain in einem amerikanischen Militärhospital in Karlsruhe als Krankenpfleger eingesetzt und nach acht Monaten freigelassen. 1950 reiste er mit Unterstützung des “Canadian Christian Council for Resettlement of Refugees“ nach Kanada und erwarb dort 1956 die kanadische Staatsbürgerschaft. Von 1959 bis zu seinem Ruhestand 1973 betrieb er als Teilhaber und Manager ein Motel und lebte bis zu seiner Verhaftung 1982 in Toronto. Vorausgegangen war ein deutscher Haftbefehl vom Juli 1982, in dem Rauca für die Ermordung von 11.584 Personen im Zeitraum von August 1941 bis Dezember 1943 beschuldigt wurde. Erst im Mai 1983 wurde Rauca aus Kanada nach Deutschland ausgeliefert und verstarb noch vor Prozessbeginn am 29. Oktober 1983 im Krankenhaus der Justizvollzugsanstalt Kassel.

Dem Auslieferungsverfahren ging ein langer Prozess bundesdeutscher Strafverfolgung von Nazi-Verbrechern voraus. Rauca konnte fünf Jahre unbehelligt in Deutschland leben, konnte vermutlich mit Hilfe des US-Geheimdienstes nach Kanada auswandern, wurde dort unter dem Namen Rauka 1956 eingebürgert und erst 1961 mit einem Haftbefehl der Frankfurter Staatsanwaltschaft gesucht. Die Kanadische Regierung verweigerte aufgrund der Namensänderung lange Zeit die Auslieferung, bis es im Juni 1982 schließlich zu Raucas Verhaftung kam, gegen die sich Rauca monatelang durch viele gerichtliche Instanzen bis zum Obersten Gerichtshof von Kanada vergeblich wehrte.


Literatur / Medien
Dieckmann 2011, Bd. 2, S. 951-956; Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt/M. 2003, S. 481; Litman, Sol: War Criminal on Trial. Rauca of Kaunas, Toronto 1998; Tory, Avraham: The Great Action in the Kaunas Ghetto, in: Levinson, Joseph (Hg.): The Shoah (Holocaust) in Lithuania, Vilnius 2006, S. 78-93; Ders.: Surviving the Holocaust. The Kovno Ghetto Diary, hrsg. von Martin Gilbert, Cambridge/MA u. London 1990; Wette 2011: Karl Jäger, S. 119

https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Rauca
https://en.wikipedia.org/wiki/Kaunas_massacre_of_October_29,_1941
http://www.cbc.ca/archives/entry/the-helmut-rauca-case (TV Clip Canada The Rauca Case)
http://www.brigitte.de/woman/kultur/buecher/massenmoerder (Foto)