Groß-Rosen, KZ / poln: Rogóznica
Woiw. Niederschlesien/Woiw. Dolny Slask
Das Konzentrationslager Groß-Rosen lag nahe bei dem Dorf Rogóznica (dt.: Groß-Rosen), zwischen Strzegom und Jawor/dt. Jauer bzw. 7 km von Swidnica/dt. Schweidnitz in Niederschlesien, ca. 60 km südwestlich von Wroclaw / dt. Breslau.
Das KZ wurde im Sommer 1940 zunächst als Außenstelle des KZ Sachsenhausen/Oranienburg errichtet – vor allem wegen der Granitsteinbrüche in der Nähe.
Spätestens 1944 wurde das KZ Groß-Rosen ein großer Lieferant der Rüstungsindustrie.
Durch die Evakuierung der weiter östlich gelegenen KZ und Gefängnisse erlangte das KZ Groß-Rosen beim Zurückweichen der Ostfront als aufnehmende Stelle zunehmend an Bedeutung. Anfang 1945 befanden sich etwa zehn Prozent aller KZ-Häftlinge in Groß-Rosen und seinen Außenlagern.
Ab Anfang Februar 1945 begann die SS mit der Evakuierung des KZ Groß-Rosen. Die Häftlinge wurden in die KZ verlegt, die noch im ns-deutschen Einflussbereich lagen, wie Flossenbürg und Buchenwald. Nur noch wenige Gefangene konnten am 13.2.1945 durch die sowjetische Armee befreit werden.
Im KZ-Groß-Rosen und seinen Nebenlagern wurden etwa 130.000 Männer und Frauen eingesperrt und mussten Zwangsarbeit leisten. Schätzungsweise 40.000 bis 45.000 Menschen haben nicht überlebt.
Lagerkommandanten waren nacheinander Arthur Rödl, Wilhelm Gideon und Johannes Hassebroek.
„Offizielle Gründe für“ die Errichtung des KZ Gross-Rosen
Es gab (noch) kein KZ in Schlesien. Anfangs wurde die rasch wachsende Zahl der Häftlinge in die KZ Buchenwald oder Sachsenhausen verschleppt, die bald wegen der Massenverhaftungen von politisch oder „rassisch“ Verfolgten überfüllt waren. Zum anderen war der schwarz-weiße Granit in der Nähe des Lagers für die von der NS-Führung geplanten Monumentalbauten in deutschen Städten sehr begehrt.
Das Lager wurde ab 2.8.1940 als Nebenlager des KZ Sachsenhausen von Häftlingen aus Sachsenhausen errichtet, am selben Tag kamen die ersten deutschen und polnischen Gefangenen in Groß-Rosen an. Im März 1941 begann der Bau des Kleinen Lagers mit vier Blocks.
Ab Mai 1941 wurde Groß-Rosen ein eigenständiges Konzentrationslager. Es hatte damals 722 Häftlinge – vor allem polnische, tschechische und deutsche „Schutzhäftlinge“ sowie jüdische (zunächst bis Oktober 1942 und dann wieder ab Anfang 1944).
12-stündige Schwerstarbeit im Steinbruch, Misshandlungen durch SS, Hunger und Krankheiten prägten den Tagesablauf, die Sterblichkeit war hoch, viele Gefangene waren nach fünf Wochen tot. Zeitweise wurde kranke Häftlinge in andere Lager verlegt und gesunde angefordert.
Die Zahl der Gefangenen stieg auf 1890 Männer im Juli 1942; viele wurden von örtlicher Gestapo, z.B. Breslau, Kattowitz oder Posen eingewiesen. Das sog. Große Lager, usprünglich für 7.000 Häftlinge geplant, wurde 1944 auf 20.000 erhöht. Zu dieser Zeit sollte es nochmals erweitert werden: Das für 45.000 Häftlinge geplante „Auschwitzer Lager“ sollte für eine Verlegung des KZ Auschwitz wegen der Frontverschiebungen im Osten genutzt werden.
KZ Groß-Rosen, Außenlager Brünnlitz, 1944/45 (heute CSR)
Wegen der vorrückenden Front sollte Ende 1944 das KZ Plaszów bei Krakau geräumt werden. Das hätte auch die Schließung des Rüstungsbetriebs von Oskar und Emilie Schindler im KZ Plaszow und die Deportation „ihrer“ Arbeiter_innen bedeutet. U.a.durch seine Verbindungen zu SS-Funktionären konnte Oskar Schindler erreichen, dass Betrieb und etwa 1.000 ausgewählte Arbeiter_innen in eine Fabrik in Brünnlitz/tschechisch Brněnec, Bez. Zwittau/tsch. Svitavy, verlegt wurden (davon u.a. erzählt der Film „Schindlers Liste“, 1993). Im Januar 1945 nahm Emilie Schindler die ersten Arbeiter in die Fabrik auf.
KZ Groß-Rosen: Großprojekt „Arbeitslager Riese“
Manche (örtlichen) Reiseveranstalter bieten Abstecher/Ausflüge zum „Arbeitslager Riese“ mit dem Hinweis an, dass dort ein „Führer-Bunker“ entstehen sollte; manchmal auch von dem ebenfalls geheimnisumwobenen Bau von V 1- und V 2-Raketen. Das Projekt bestand aus 12 Lagern im Eulengebirge (poln. Góry Sowie), bekannt durch Textil-(Heim-)Arbeit und den schlesischen Weberaufstand im 19. Jahrhundert. 1944 wurden etwa 13.000 jüdische KZ-Häftlinge (aus Ungarn, Polen, Griechenland, Jugoslawien, Tschechien, Italien, Belgien Niederlande), meist aus dem KZ Auschwitz hierher gebracht. Die ersten Häftlinge – griechische Juden - wurden am 26.4.1944 in das Lagerverzeichnis des KZ Gross-Rosen eingetragen. Sie mussten schwere Bauarbeiten unter schlechten Bedingungen und fehlender Hygiene leisten. Viele wurden zu sog. „Muselmännern“ (in der Lagersprache Häftlinge, die durch Hunger, Kälte, Krankheit und Erschöpfung so ausgezehrt waren, dass sie ihrer Umwelt gegenüber apathisch wurden; ihre Aufmerksamkeit galt allein noch der Möglichkeit von Essen, manchmal auch dem Schutz vor Kälte). Dazu zählen mindestens 5000 Gefangene. Andere mussten in Textil-, Flugzeug-, Radio- oder Rüstungsfabriken der Umgebung arbeiten, darunter auch (polnische und ungarische) Frauen, sie waren auf 42 Lager verteilt.
Gerichtsverfahren
Der ehem. Lagerkommandant Hassebroek wurde 1948 wegen Ermordung britischer Offziere von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt, das Urteil wurde nicht volltreckt, er wurde 1954 entlassen. Im Mai 1967 wurde er vor dem Landgericht Braunschweig wegen Mordes an zwölf Gefangenen des KZ Groß-Rosen angeklagt; das Gericht erkannte aber lediglich auf Totschlag; dieser Straftabestand war verjährt, Hassebroeck wurde im Juni 1970 freigesprochen; er starb am 17.4.1977 in Westerstede, Niedersachsen.
Ende des Lagers
Im Februar 1945 wurden die letzten Häftlinge des Hauptlagers evakuiert. Am 13.2. ging der letzte Transport ab; die Rote Armee nahm das verlassene Lager ein.
Vom ehemaligen Lagergelände sind erhalten geblieben:
- das Lagertor mit zwei Wachstuben
- Fundamente des Häftlingsblocks und des Krematoriums
- der Glockenturm des Lagers
- Kellerräume (Waschraum, Häftlingsküche, Weberei und des Blocks 9/10)
- Ofen des Feldkramtoriums
- die Todeswand – Platz der Massenexekutionen an Häftlingen (heute befinden sich dort Gedenktfeln für die Opfer des Lagers)
- Teile der Lagerumzäunung
- der Abbauraum im Steinbruch – einer der zwei Hauptsarbeitsplätze der Gefangenen
Neu sind u.a. Rekonstruktioen einer Häftlingsbaracke und eines Wachtturms.
Vom Hauptlager stehen heute noch das ehem Kantinengebäude für die SS-Wachmannschaften (s. Foto) und das Lagertor mit der Hauptwache.
Ausstellungen informieren über die Geschichte des Konzentrationslagers. Auf dem Lagergelände sind die Küche für die Häftlinge und die Fundamente der Baracken erhalten geblieben. Eine Holzbaracke wurde wiederaufgebaut. Die Ausstellungsräume im Keller kann man nur mit einem Museumsführer betreten. Ebenfalls zu besichtigen ist ein wiederaufgebauter Wachturm.
Über die Arbeits- und Lebensbedingungen im KL Groß-Rosen gibt es zahlreiche Augenzeugenberichte. In dem Museumsteil, der sich in der ehemaligen Kantine der Wachmannschaften befindet, können sich Besucher einen Film anschauen (auch auf Deutsch), in dem Überlebende über ihre Erlebnisse in Groß-Rosen berichten.
Literatur/Medien
Benz, Wolfgang/Distel, Barbara (Hg,): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 6: Natzweiler, Groß-Rosen, Stutthof, München 2007
Dieckmann, Christoph (Hg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Entwicklung und Struktur, Bd. I, Götttingen 1998, S. 309 - 326
Gutman, Israel u.a. (Hg.): Enzyklopädie des Holocaust, Berlin 1993, S. 568-572 Konieczny, Alfred: Das Konzentrationslager Groß-Rosen, in: Benz, Wolfgang (Red.): Die vergessenen Lager. (= Dachauer Hefte. Band 5), München 1994
Sprenger, Isabell: Groß-Rosen. Ein Konzentrationslager in Schlesien, Düsseldorf 1997
https://www.stiftung-denkmal.de/aktuelles/das-konzentrationslager-gross-rosen
https://www.memorialmuseums.org/memorialmuseum/museum-gro%C3%9F-rosen
https://de.gross-rosen.eu/muzeum
https://de.wikipedia.org › wiki › KZ_Groß-Rosen
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Au%C3%9Fenlager_des_KZ_Gro%C3%9F-Rosen
https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/konzentrationslager-kz-gross-rosen/
Deutsches Kulturforum östliches Europa: Geschichtsorte in Schlesien 1921 – 1947, 2007
https://www.wuestewaltersdorf.de/htm/riese/riese-arbeitslager.htm
https://portal.ehri-project.eu/units/de-002409-de_its_1_1_11
https://dasjahr1945.de/kz-gross-rosen/
