Olsztyn (dt. Allenstein)
Woiw. Ermland-Masuren
Der Ort
Olsztyn/Allenstein ist die Hauptstadt der Woiwodschaft Ermland-Masuren (poln: woiw. warminsko-mazurski). Sie ist von Wäldern und Seen umgeben. Olsztyn liegt etwa 80 Kilometer südöstlich von Elblag/dt. Elbing und 140 Kilometer südöstlich von Gdansk /dt. Danzig.
Geschichte
Die Stadt wurde am 31.10.1353 am Fluss Alne/Alle vom ermländischen Domkapitel auf dessen Gebiet gegründet. Einer der Domherren war Niklas Koppernigk (poln.)/deutsch Nikolaus Kopernikus), er war zudem Arzt, Astronom und Waffenbauer. 1543 entwickelte er die Idee, dass die Erde – wie andere Planeten - sich um die Sonne dreht. Das sog. heliozentrische Weltbild sollte den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit prägen ('kopernikanische Wende') (https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_Kopernikus).
Bei der ersten 'polnischen Teilung' 1772 wurde die Stadt Teil von Preußen, nach dem Ersten Weltkrieg votierte eine große Mehrheit der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland.
Jüdische Gemeinde
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs entstand in Allenstein kein Ghetto, jedoch wurden ca. 130 Menschen in einem jüdischen Altenheim unter sehr schweren Bedingungen untergebracht. 1941 kamen weitere jüdische Personen aus anderen ostpreußischen Landkreisen hinzu. Im Sommer arbeiteten sie in Gärtnereien, im Winter räumten sie u.a. Schnee von den Straßen der Stadt.
Das Ende der Allensteiner Gemeinde kam im Jahr 1942. Am 24. Juni wurde ein Teil der im Altenheim festgehaltenen jüdischen Menschen mit einem Transport wahrscheinlich in das Ghetto in das deutsch besetzte Minsk (heute Belarus) deportiert. Mindestens zwei weitere Transporte fuhren am 2. und 24. August zum Ghetto in Theresienstadt bei Prag (CSR). Es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der Gemeindemitglieder 1942 im Wald zwischen Allenstein und Osterode erschossen wurde.
Unter den Opfern des Holocaust werden ca. 200 Personen genannt, die entweder in Allenstein geboren wurden oder dort gelebt haben. Sie wurden eingesperrt und starben später durch Entkräftung oder wurden in Ghettos oder in verschiedenen KZ ermordet.
Die Synagoge in der ul. Grundwaldzka 5a wurde während der Novemberpogrome 1938 zerstört (heute steht dort eine Turnhalle). In Allenstein enstand kein Ghetto. Etwa 130 Allensteiner/innen wurden in einem jüdischen Altenheim festgehalten, 1941 kamen weitere jüdische Menschen aus dem südlichen Ostpreußen hinzu. Die meisten jüdischen Einwohner/innen wurden ab 1942 in Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Die Deportationen waren Teil der systematischen Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten.
Das letzte nicht zerstörte architektonische Zeugnis jüdischen Lebens in Allenstein ist das Bet Tahara, Trauerhaus und Ort der rituellen Leichenwaschung, am ehem. jüdischen Friedhof (Foto und Beschreibung vgl. visit.olsztyn.eu/de/place/151/juedisches-trauerhaus-bet-tahara), das von dem Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) entworfen wurde.
Januar 1945 – Ansturm der Sowjets
(aus Wikpedia Ostpreußen): „Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ostpreußen von der sowjetischen Roten Armee nach verlustreichen Kämpfen in der Schlacht um Ostpreußen erobert. Gauleiter Erich Koch unterließ die rechtzeitige Evakuierung der Bevölkerung, er verbot selbständige Fluchtbewegungen und stellte sie unter schwere Strafe. Ähnlich wie Soldaten „bis zum letzten Mann“ in sinnlosen Stellungs- und Kesselschlachten in den Tod geschickt wurden, anstatt sich geordnet zurückziehen zu dürfen, machten sich die Machthaber somit direkt mitschuldig am Tod von unzähligen deutschen Zivilisten, die hätten gerettet werden können.
Flucht und Evakuierung am Ende des Zweiten Weltkriegs (aus: Fuhrer/Schön: Erich Koch. Hitlers brauner Zar, München 2010)
„Als die Front …. Ostpreußen erreichte, wurde die Evakuierung durch das Militär und den Staatsapparat zunächst behindert bzw. verhindert, dann in letzter Minute (Januar 1945) unter denkbar schlechtesten Bedingungen (tiefster Winter, Abschnürung des Landweges) ungeordnet begonnen. Dadurch war ein Großteil der Zivilbevölkerung unmittelbar Kampfhandlungen ausgesetzt.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Olsztyn/Allenstein im Januar 1945 Kriegsschauplatz. NS-Gauleiter Erich Koch rief die Bevölkerung zum Bleiben und Durchhalten auf, „er stellte selbständige Fluchtbewegungen unter schwere Strafe." Ähnlich wie Soldaten „bis zum letzten Mann“ in sinnlose Stellungs- und Kesselschlachten geschickt wurden, anstatt sich geordnet zurückziehen zu dürfen, machten sich die Machthaber somit direkt mitschuldig am Tod von unzähligen deutschen Zivilisten, die hätten gerettet werden können. (wikipedia) .
Der Landrat rief eigenverantwortlich rechtzeitig (?) zur Flucht auf und rettete so vielen Ostpreußen das Leben.
Fuhrer/Schön: 173: Am 24.1. erklärte Erich Koch Königsberg zur Festung.... Die Stadt war gegen den Angriff mit modernen Waffen in keiner Weise geschützt.
Zudem hatten sich nur 35.000 Verteidiger in ihr verschanzt, die sich unter dem Festungskommandanten, General der Infanterie Otto Lasch, gegen 250.000 Angreifer zur Wehr setzen mussten. Zehn Wochen lang hielt Königsberg durch......Viele versuchten zunächst angesichts der drohenden feindlichen Einnahme noch, über den Seeweg nach Pillau zu fliehen - trotz des offiziellen Verbots. Am 30. Januar marschierte die Rote Armee plötzlich in Methgethn, einem Vorort Königsbergs, ein. Die Bewohner wurden buchstäblich im Schlaf überrascht, niemand hatte sie gewarnt. Die Verbindung nach Pillau war unterbrochen – das letzte Schlupfloch war zu.
Ende März war Lasch klar, dass der endgültige Sturm auf Köngsberg unmittelbar bevorstand. Den 1. April – es war Ostersonntag und ein milder sonniger Frühlingstag – erlebten die in Königsberg noch verbliebenen 130.000 Menschen noch einmal ruhig...
Am 6. April griff die Rote Armee zur Entscheidungschlacht an...Stalinorgeln, stundenlanger Dauerbeschuss
Am 9. April kapitulierte Lasch und ging mit seinen Soldaten in Gefangenschaft.....Hitler verurteilte ihn deswegen auf Betreiben Kochs zu Tode.
Drei Tage war die Stadt zur Plünderung freigegeben...Wer nicht freiwillig ging, wurde dazu gezwungen. 1948 waren nahezu alle urspründlichen Königsberger vertrieben, neue Siedler aus anderen Gebieten der Sowjetunion wurden herbeigeschafft. Aus Königsberg wurde Kaliningrad.
Vier Tage nachdem er Königsberg zur Festung erklärt hatte, setzten sich Koch und die meisten anderen Mitlglieder der Gauleitung von Königsberg nach Pillau tief ab. Er war schon seit dem 12. Januar häufiger dort gewesen. Während Koch dafür gesorgt hatte, dass Zehntausende Ostpreußen zu spät oder gar nicht vor den sowjetischen Truppen fliehen konnten, begab er sich selbst in Sicherheit...
In Wahrheit hatte sich ja der Gauleiter, Oberpräsident und Reichsverteidigungskomissar in der Stunde, in der er seinen Untertanen hätte durch persönliche Anwesenheit beistehen müssen, in den sicheren Bunker verdrückt.
Rote Armee im besetzten Olstyn
Am 22.1.1945 eroberte die Rote Armee Allenstein. Laut Augenzeugenberichten töteten Rotarmisten in der teilweise zum Kriegslazarett umfunktionierten Heil- und Pflegeanstalt Kortau alle Lazarett-Patienten und das Personal (näheres bei Kortau/Kortowo).
Ende März 1945 stellte die Rote Armee die südliche Hälfte Ostpreußens inkl. Allenstein unter polnische Verwaltung. Da Polen und Polinnen nur zögernd zuwanderten, ordnete der Regierungsbevollmächtigte im Juni 1945 die Verbringung der Stadtbevölkerung auf ländliche Güter an.
Kurz darauf begann die „äußerst brutale Aussiedlung“ der in der Stadt zu Aufräumungsarbeiten zurückgebliebenen Deutschen. Der polnische Ortsname Olsztyn wurde offiziell. Die deutschen Einwohner/innen, von denen inzwischen viele zurückgekehrt waren, wurden ab Anfang 1946 in einer zentralen Aktion vertriebe. - meist in die Sowjetische Besatzungszone.
Literatur/Medien
https://de.wikipedia.org/wiki/Olsztyn
https://sztetl.org.pl/de/stadte/a/543-allenstein-olsztyn
